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Gespräche mit Künstlern · S. 268 - 277
Gespräche mit Künstlern , 1990

EUGEN GOMRINGER IM GESPRÄCH MIT FLORIAN RÖTZER.

Eugen Gomringer ist einer der entscheidenden Begründer der konkreten Poesie gewesen, die in den fünfziger Jahren sich durchsetzte und die gestalterischen Prinzipien der konkreten und/oder konstruktiven Kunst auf die visualisierte Dichtung übertrug, die er ganz allgemein als „bewußte beobachtung des materials – die summe aller zeichen – und seiner struktur“ beschrieb. Nicht über etwas sollte ein Gedicht handeln, sondern es sollte selbst eine Realität an sich sein, die sich der basalen Elemente der Sprache, dem Wort, dem Buchstaben, dem Laut, dem Zeichen und ihren Anordnungen bediente. Der Dichter selber drückt nicht mehr seine Individualität aus, sondern verankert sich in der realen Welt als gleichberechtigter Gestalter der sprachlich-visuellen Kommunikation:“schon lange gilt nicht mehr der einseitige technokrat als leitbild der zukunft. vom manager, von allen leitenden organisatoren und schöpfern der umwelt wird jener spieltrieb verlangt, der bis anhin nur dem musischen geist zugeschrieben wurde. der dichter, der das risiko liebt und braucht, der sich nicht ins reservat der schriftsteller zurückzieht, kann sich heute mit fug und recht neben dem manager stellen.“ Das klingt zweifellos 1990, angesichts der ästhetischen Aufrüstung der Politik, Ökonomie und Technik im Zeichen der Kulturgesellschaft und der Kommerzialisierung der Kunst, nicht mehr so provokativ wie vielleicht 1969. Nur zeigen die appropriation art und die Losung von der Werbung als Kunst den Rückstand eben der Kunst hinter der Ästhetik der Warenwelt. Konkrete Dichtung jedenfalls hat ihre Ursprünge in den Werken von Mallarme, Apollinaire, Arno Holz, Hugo Ball, E.E.Cummings und William Carlos Williams, aber auch…

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