Report: Symposien & Kongresse · von Florian Rötzer
Report: Symposien & Kongresse , 1993

Der Urbanist Robert Fishman, nicht so entschlossen futuristisch, sah im gleichen Prozeß einer an den Verkehrswegen entlang wuchernden, willkürlich verteilten „Anti-Stadt“ sogar den Ausdruck eines Demokratisierungsprozesses. Die Grenzen zwischen Zentrum und Peripherie, zwischen Geschäfts- oder Industriegebieten und Wohngegenden verschwinden. Die neue Stadt im Grünen wird nicht mehr durch den Raum, sondern durch die Zeit definiert, die man braucht, um etwa mit dem Auto an die Ziele zu gelangen, wobei die telematischen Netze mehr und mehr auch die räumliche Nähe bedeutungslos werden lassen. Die einzig legitime Zentralisierung sei, so greift es Frank Lloyd Wright auf, das Wohnhaus der Familie. Diesem immer noch sehr amerikanischen Traum, entstanden aus der Weite des Raums, hielt allerdings die politische Ökonomin Saskia Sassen Sennett die Herausbildung neuer Konzentration ökonomischer Macht in Großstädten entgegen: in den „Global Cities“, die wegen ihrer Ressourcen für internationale Unternehmen neue strategische Bedeutung gewinnen, aber zugleich der Kontrolle nationaler Macht entgleiten. Neben New York, Tokio und London, so glaubt sie, werden Madrid, Frankfurt und Paris zu solchen strategischen Knoten weltweit operierender Unternehmen werden. Bedeutsam sind diese Standorte nicht so sehr als Produktionszentren, sondern als Umschlagsplätze für finanzielle Transaktionen, als Service- und Entwicklungsorte. Sie benutzen zwar die Ressourcen der Großstädte, legen aber eine andere Ordnung über sie.

Möglich sind solche Umschichtungen und Dezentrierungen nur über die erzielte Gleichzeitigkeit der Information und natürlich der Kontrolle aus der Ferne. Heute kann man nicht nur Bilder, Texte oder Töne mit Lichtgeschwindigkeit verschicken und empfangen, sondern über Telepräsenz und Telemotorik kann man sich in einem virtuellen Raum treffen…

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