Ausstellungen: Berlin , 1988

Karlheinz Schmid

Paco Knöller

Kunstforum der GrundkreditBank, Nationalgalerie, 4.3.- 8.5. 88
Hamburger Kunstverein, 30.7.-11.9.1988

Ein Mensch kauert neben einer großen Form, einer Wanne, ein anderer, ebenfalls mit wenigen Linien skizziert, hockt auf einem Baumstamm. Gesichtszüge, also der Ausdruck des Befindens, fehlen auf den Bildern von Paco Knöller. Die Physignomie der einsamen Kreaturen besteht dort, wo normalerweise Augen und Mund zu finden sind, aus zwei oder drei Markierungen. Derartige Behinderungen sind freilich schlechte Voraussetzungen, um sich im Ambiente des Malers Paco Knöller zu behaupten. Seine wuchtigen massiven Formen und die an Kafka erinnernden Räume gewähren seinen Hauptfiguren allenfalls Nebenrollen. Mitunter degradiert er sie sogar völlig, sie werden dann Teil der Architektur, verschmelzen mit Mauern und Pfeilern.

Dieses Drama zelebriert Knöller, so zeigte die Ausstellung der Nationalgalerie Berlin in der GrundkreditBank, gerne mit Ölkreide und Pigment auf Papier. Während die Linien von einem vorsichtigen, behutsam tastenden Maler zeugen, scheinen die Farben von einem anderen Künstler zu stammen. Sie sind gesättigt, aggressiv, oft effektvoll miteinander kombiniert, bisweilen sogar von jener Leuchtkraft, die das Geschmäcklerische begünstigt – und somit im krassen Widerspruch zum bedeutungsschwangeren Inhalt steht. Farbe wirkt denn bei Paco Knöller austauschbar, beliebig. Ein aktives Rot-Gelb-Geplänkel trifft auf ein sattes, erotisierendes Türkis. Wo ein zartes, aber gefälliges Gelb herrscht, könnte ebensogut ein luftiges Blau mitschwingen. Was sich auf dem einzelnen Bild nicht sofort unangenehm bemerkbar macht, gewinnt dann jedoch spätestens in einer Ausstellung die bunte Präsens, die eher an Ostereier als an Kunst denken läßt.

Schade, denn Knöller, gewiß kein Dekorateur, sondern ein Tiefenforscher, kann durchaus auf…

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