Ausstellungen: Bonn · von Martin Seidel · S. 394
Ausstellungen: Bonn , 1999

Martin Seidel

Patrick van Caeckenbergh

»Die Schlupfwinkel« (1979-1999)

Bonner Kunstverein, 28.4. – 27.6.1999

Lieber Jay“, schrieb Patrick van Caeckenbergh 1995 aus Gent in englischer Sprache an seinen Galeristen, „Ich habe dich fair gewarnt, daß ich kein Spezialist in Sachen Gegenwartskunst bin, also die in diesem Bereich übliche Sprache nicht verstehe. Das einzige, was ich sagen kann, ist, daß die Dinge der Kunst für mich eine ideale Plattform abgeben, auf der ich als kontemplierendes Hätschelkind toleriert werde.“ – Kokettiert da einer? Ist der 1960 geborene belgische Künstler tatsächlich nur ein „kontemplierendes Hätschelkind“? Keineswegs. Van Caeckenberghs Kunst paßt recht gut in die Zeit, wie im Bonner Kunstverein zu sehen, wo der Künstler nach seiner Ausstellungsbeteiligung an der „Berechenbarkeit der Welt“-Schau nun unter dem Titel „Die Schlupfwinkel“ den verdienten ersten Soloauftritt auf deutschem Boden hat.

In flämisch barocker Üppigkeit, nostalgischer Krämerladen-Ästhetik und überschäumender Erzählfreude entfaltet der Belgier in der mit einem Minimal-Budget realisierten und notgedrungen (vorerst?) ohne Katalog daherkommenden Schau seine schräge schrille bunte Wunder- und Jahrmarktwelt mit Zelt, Paravent, einer nur von außen einzusehenden Voliere mit allerhand fabulösen Mischwesen und einem überdimensionierten Hut. Patrick van Caeckenberghs Skulpturen, Objekte, Collagen und auf Sperrholz aufgeklebte Bilder führen zu sondersamen Begegnungen von Mensch, Tier und Pflanze und zu allerhand wundersamen Sinnbildern. Durchweg ist der Künstler in Gestalt kleiner Fotofiguren präsent und bildet den Dreh- und Angelpunkt dieses irritierenden Kosmos individueller Mythologien und persönlicher Wissenschaftsbetrachtung.

Wie auf ihre Art Christian Boltanski, Thomas Ruff, Thomas Hirschhorn oder viele andere, so archiviert, dokumentiert, klassifiziert, registriert und notifiziert auch van Caeckenbergh und begibt sich so…

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