Ausstellungen: Wien · von Peter Nesweda · S. 409
Ausstellungen: Wien , 1998

Peter Nesweda

Paul McCarthy – » Painter«

Galerie Krinzinger, Wien, 15.9. – 14.11.1998

Die erste Präsentation von Arbeiten Paul McCarthys in der Galerie Krinzinger in Wien war 1992, wo er im Rahmen der Gruppenausstellung „LAX“ zusammen mit Mike Kelley die multimediale Installation „HEIDI“ zeigte. Deren „Untertitel“: MIDLIFE CRISIS TRAUMA CENTER AND NEGATIVE MEDIA-ENGRAM ABREACTION RELEASE ZONE, ist sowohl ironisch zu verstehen als, aber auch ein Hinweis auf die künstlerischen Strategien in McCarthy’s Arbeit. Dazu gehört die Dekonstruktion kollektiver Mythen der Mediengesellschaft ebenso wie die kritische Auseinandersetzung mit sozialen Systemen und deren hierarchischen Gliederungen, angefangen von der Familie bis hin zum Militär. Abgesehen von Einflüssen des „Wiener Aktionismus“ bezieht McCarthy seine Ausdrucksmittel von der „Populärkultur“, aus Familien-Serien wie „Bonanza“ und aus den zahlreichen Horror- und Gruselfilmen der Unterhaltungsindustrie. Durch die Verwendung von Gummimasken, Perücken, Kunstgliedern und ähnlichen Requisiten verwandelt er sich selbst zu einem anonymen Massenprodukt, wird Teil der Massengesellschaft. In diese Richtung weist auch die Verwendung von Ketchup und Mayonnaise – fixen Bestandteilen der amerikanischen Familienmahlzeit – die gleichzeitig symbolisch für Körperflüssigkeiten wie Blut zu verstehen sind. Auch im Video „Painter“, das anläßlich einer Performance Paul McCarthy`s im Project Room des Museums of Modern Art in New York im Jahr 1995 entstand, fehlen die üblichen Requisiten nicht. Ketchup und Mayonnaise finden ebenso Verwendung wie Gumminasen, die die Darsteller zu Comic-Figuren verfremden. Auf dieser Ebene wird in Slapstick-Manier der Abstrakte Expressionismus vermöbelt, allen voran Willem de Kooning.

Bekleidet mit einem kurzen, hellblauen Kittel im Kimono-Schnitt, nackten Beinen, die in Socken stecken, schlecht sitzender Frauenperücke, Gumminase,…

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