Ausstellungen: Bielefeld · von Jörg Restorff · S. 379
Ausstellungen: Bielefeld , 1991

Jörg Restorff

Picassos Surrealismus Werke

1925 bis 1937

Kunsthalle Bielefeld, 15.9. – 15.12.1991

Dem unerhört facettenreichen Werk Picassos werden allzu starre Periodisierungsversuche nicht gerecht. Zu abrupt sind die stilistischen Zäsuren, zu diskontinuierlich die Reprisen älterer, scheinbar abgelegter, tatsächlich jedoch im Fundus des Künstlergedächtnisses bewahrter Formerfindungen. Vor allem Picassos zwiespältiges, an Extremen reiches Ouvre der dreißiger Jahre erschwert die Suche nach einem gängigen Etikett, das sich problemlos der Blauen und Rosa Periode sowie dem Kubismus, den Hauptelementen des etablierten „Periodensystems Picasso“, hinzufügen ließe. Aus gutem Grund nennt die Kunsthalle Bielefeld ihre – nach den Ausstellungen „Picasso – Todesthemen“ (1984) und „Picassos Klassizismus“ (1988) – dritte Hommage an das Jahrhundertgenie, eine Auswahl von rund hundert Gemälden, Zeichnungen, Aquarellen, Druckgrafiken und Skulpturen aus den Jahren 1925 bis 1937, deshalb „Picassos Surrealismus“. Ein Titel, der in seiner Hintanstellung des Oberbegriffs bereits suggeriert: Picasso war kein „orthodoxer“ Surrealist, sondern eher ein distanzierter Sympathisant; zeitweilig Parteigänger, doch nie Parteigenosse; bereit, sich anregen zu lassen, doch nie in Gefahr, seinen eigenen, jeden Konformismus meidenden Weg aus den Augen zu verlieren.

In seinem Manifest „Le Surréalisme et la peinture“ reklamierte André Breton, der Haupttheoretiker und Zuchtmeister der Surrealisten, Picasso 1925 überschwenglich als Protagonisten der Künstlergruppe. Eine Einschätzung, die Breton im nachhinein, 1961, wieder zurücknahm, als er Picassos Beharren auf der äußeren Welt als Inspirationsquelle der Kunst kritisierte und ihm „Blindheit gegenüber dem Reich des Traums und der Phantasie“ vorwarf. Tatsache ist: Werke Picassos waren auf der ersten Gemeinschaftsausstellung surrealistischer Künstler 1925 vertreten, sie wurden auch häufig in „La Révolution surréaliste“, dem Zentralorgan des…

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