Ausstellungen: Zürich , 1985

Gislind Nabakowski

Pierre Bonnards Suche nach dem Licht – der absoluten Farbe

Kunsthaus Zürich, 14.12. -10.3.1985
Stadt. Galerie im Stadel, Frankfurt, 3.5.-14.6.1985

Das wiedererwachte Interesse an der Malerei Pierre Bonnards (1867-1947) spiegelt sich in Ausstellungen, die im vergangenen Jahr in Paris, Dallas, Washington und Zürich stattfanden. Eine verkleinerte Version dieser Retrospektive war jetzt auch im Frankfurter Stadel zu sehen: 85 Gemälde von 56 Leihgebern, darunter auch große Museen in Moskau und Leningrad.

Der Streit um die Bedeutung der Malerei Pierre Bonnards entbrannte schon zu seinen Lebzeiten. Pablo Picasso (1881-1973) beschimpfte den Franzosen als „Neo-Impressionisten“. Er sah in ihm einen „Dekadenten“ -, weil er die Natur zum Vorbild hatte. Picasso höhnte: „Noch etwas nimmt mich gegen Bonnard ein. Wie er nämlich die gesamte Bildoberfläche als zusammenhängendes Farbfeld füllt, mit einer Art von kaum wahrnehmbarem Gezitter, Pinselstrich für Pinselstrich, Zentimeter für Zentimeter, aber vollständig ohne jeden Kontrast“. Schon 1907 hatte sich Picasso vom Naturalismus abgewandt und unter dem Einfluß der Skulpturen Afrikas und Ozeaniens den Kubismus erfunden. Picassos Bruch mit den europäischen Konventionen war radikal. Picasso betrachtete die Entwicklung um ihn herum vom Standpunkt dieser Radikalität aus. Die Entwicklung des Lebenswerks Pierre Bonnards war weniger dynamisch. Nachträglich sieht es so aus, als hätte er die Höhepunkte seiner Kunst, in denen spurenhaft eine radikale Entwicklung angelegt war, nicht für sich ausbeuten können. „Ein Potpourri der Unentschiedenheit“ schimpfte daher Pablo Picasso. Den zurückhaltenden Franzosen trafen diese Feindseligkeiten hart. Er definierte seine Standpunkte anders. Es ginge ihm nicht darum „Leben abzubilden, sondern ein Bild lebendig zu malen“. Die Malerei…

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von Gislind Nabakowski

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