Titel: Essen und Trinken II · von Jürgen Raap · S. 252
Titel: Essen und Trinken II , 2002

PILZE

Im September 1998 lud die Hamburger Künstlerinitiative „weltbekannt e.V.“ zu einer Veranstaltung über Pilze ein – „mit Demonstration, Büchertisch und Pilzposter“. Die Einladungskarte zierte ein Bild vom Herrenbilzling (Boletus Edulis P.). Dr. Jürgen Trahms von der Hamburger Universität und der Diplom-Biologe Uwe Brinkmeier informierten über „essbare und giftige Pilze“. Der Unkostenbeitrag von 15 Mark schloss „Speis und Trank“ ein, denn in der Ankündigung hatte es geheißen: „Vor Ort wird gekocht“. Es gab Pilzomelette mit Graved Wildlachs aus Alaska und Pilzjägerpastete. Am 30. September 2001 fand dann im Filmhaus Hamburg-Altona der „Pilzabend II“ statt. Erneut schlüpfte Dr. Jürgen Trahms in die Rolle des „Pilzguru aus dem Sachsenwald“, „zelebrierte“ an jenem Abend u.a. „Pilzgerichte“.

In der Biologie sind Pilze als essbare Schwämme definiert. Sie bestehen zu 80 % aus Wasser, enthalten viele Proteine und Mineralstoffe wie Eisen, Kupfer und Kalium, aber nur 1 % Fett. Manche Pilze haben eine stark toxische Wirkung – jene des Knollenblätterpilzes ist sogar tödlich. Psylocybe Sorten entfalten eine halluzinogene Wirkung. In den alt-mexikanischen Indianerkulturen galten sie zeitweise als sakral.1 Bei den phantastisch-visionären Bildern von Hieronymus Bosch spekulierten Kunsthistoriker darüber, ob die Motivwelt nicht etwa auf Experimente mit Fliegenpilzen oder Bilsenkraut zurückzuführen ist.

Tatsächlich ist in allen Epochen Drogengenuss für das literarische und bildnerische Schaffen inspirierend gewesen – bis zur psychedelischen Kunst in der Beatles-Ära. Sigmar Polke benutzte in einer Offsetarbeit der 70er Jahre das Pilzmotiv als Anspielung auf Lewis Carrolls Buch „Alice in Wonderland“ und den dort beschriebenen halluzinogenen Effekten einer Vergrößerung oder Verkleinerung von Gegenständen.2

Als Nahrungsmittel verzehrte man…

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