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Ausstellungen: London · S. 366
Ausstellungen: London , 1984

Plastik-Plastik

Edward Allington

The only thing money can’t buy is – poverty, sagt John Cooper-Clark, ein junger, englischer Dichter mit außergewöhnlichem Aussehen und Vortragsstil. Glück und Liebe als der Armen Privileg ist im kapitalistischen Zeitalter längst käuflich. Das Anhörten von Besitz und Gütern, sprich Überfluß, hat Edward A. Hington zum Thema der ersten Einzelausstellung seines plastischen Werkes gemacht, das momentan in der Lisson Gallery, London, zu sehen ist.

Gleich einem Schlangentanz winden sich Paprikas und Auberginen, Zuccinis und Pfefferschoten, Kartoffeln und Blumenkohl dicht an dicht aus einem Gemüsehaufen. Irgendwo, in zwei Meter Höhe, münden die Früchte, die, von nahem besehen, aus Plastikimitat sind, in den Trichter eines großen, goldenen Blattes, eines Füllhorns. Der Schwerkraft zuwider scheint die Plastik zu schweben, gleich einem gefrorenen Wasserfall scheinen die Früchte im Fall erstarrt – eine Momentaufnahme, die das Auge ob und wider die Logik rückwärts erfaßt. Ein Füllhorn, das von seinem eigenen Produkt getragen wird. Eine Faszination, der ich in anderem Zusammenhang schon früher begegnet bin.

Vor etlichen Jahren sah ich in einer Schaufensterdekoration, an einer Kette hängend, einen Wasserhahn, aus dem Wasser in einen Eimer lief. Ein echter Wasserhahn, echtes Wasser, ein echter Eimer. Bloß: Wie kann Wasser aus einem Hahn fließen, der frei im Raum schwebt? Es hat mich einige Zeit gebraucht, bis ich dahinter kam. In Wirklichkeit fließt Wasser in den Eimer, wird durch eine Glasröhre zum Hahn gepumpt, läuft auf der Außenseite der Röhre zum Eimer zurück und macht dadurch den Mechanismus unsichtbar.

Edward Allington, der sich seit Jahren mit der griechischen Mythologie und…

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