Gespräche mit Kunstvermittlern · S. 400
Gespräche mit Kunstvermittlern , 1991

Carl Haenlein:

Pointiert inszeniert

Ein Interview von Heinz Thiel mit dem Direktor der Kestner-Gesellschaft, in Hannover Am 14.11.1990

H.T.: 1988 haben Sie in der Kestner-Gesellschaft eine Penck-Ausstellung gemacht, in der Sie die Skulpturen gezeigt haben. Sie haben dafür den unteren Ausstellungraum geöffnet, also die Wände weggenommen und die Bronzeskulpturen dicht zusammengestellt. Gemeinhin vermeidet man, Skulpturen so nah zu stellen, weil man befürchtet, sie „erschlagen“ sich.

C.H.: Das war pointiert inszeniert. Auch Baselitz, ein Jahr zuvor, hatte ich pointiert inszeniert, aber diametral entgegengesetzt: Bei Baselitz hatten wir 12 Skulpturen in der Halle, bei Penck waren es über 60; bei Baselitz war es nur ein Material – Holz -, bei Penck waren es Bronze, Marmor und Holz. Wir hatten sogar noch Papierskulpturen dabei.In der Vorbereitungsphase war natürlich die Frage: Kann man die Materialien Bronze, Marmor und roh bearbeitetes Holz zusammen zeigen. Daß man Papier nicht dazu zeigen kann, haben wir angenommen. Das nächste Problem war: Wie machen wir es mit der Anzahl der ausgestellten Arbeiten? Reduzieren wir, stellen sozusagen Prototypen vor: eine Bronzearbeit, eine Marmorarbeit, vielleicht eine kleine Serien von Bronze- und Marmorarbeiten und ein paar Holzskulpturen. Oder zeigen wir alles, was er gemacht hat.Um das in den Griff zu kriegen, haben wir in einer Kölner Kunst-Spedition Proben gemacht. Wir haben in etwa den Grundriß der Kestner-Gesellschaft ausgelegt und dann gestellt. Dabei haben wir gesehen, man kann die Materialien sehr gut mischen, wenn man bestimmte Prinzipien berücksichtigt. In der Kestner-Gesellschaft haben wir das dann – im Theaterjargon würde man sagen – 14 Tage weiter probiert….

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