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Titel: Über den Genius Loci · S. 136 - 139
Titel: Über den Genius Loci , 1984

Polarforschungsinstitut in Bremerhaven

Architekt: Oswald Matthias Ungers

Ein großes Schiff aus Stein auf dem Trockenen: So können wir das neueste Projekt von O.M. Ungers nennen, das das Erscheinungsbild des Bauwerks an den Ort bindet, an dem es errichtet werden soll. Unmittelbar an der Wesermündung gelegen, hat die Stadt Bremerhaven ein Baugelände zur Verfügung gestellt, von dem sich das Meer nur vorübergehend zurückgezogen zu haben scheint. Dieses Projekt eines großen Forschungszentrums bietet dem Architekten aufs Neue Gelegenheit, eine Entwurfsmethode zu erproben, die er in seinem Buch „Die Thematisierung der Architektur“ (Architettura come tema, Quaderni di Lotus, Mailand 1982; deutsch 1983) ausführlich dargelegt hat.

Das Bild des Schiffes ist nicht allein aus den spezifischen Bedingungen des Standortes abgeleitet, sondern zugleich ist es die Neuinterpretation eines Themas, mit dem Ungers schon einmal bei einem anderen Projekt in der gleichen Stadt experimentiert hat, auf einem Gelände, das nur etwa 100 Meter weiter nördlich liegt. Dieses Projekt, das als Wettbewerbsentwurf für eine Fachhochschule entstand, wurde von der Jury nur mit dem zweiten Preis ausgezeichnet. Die Kommune jedoch zeigte sich von der Idee so begeistert, daß sie dem Architekten den Auftrag für das Forschungsinstitut erteilte. Wir werden sehen, welche Spuren das erste Projekt im zweiten hinterlassen hat.

Eine der Thesen von Ungers besagt: „Ohne eine bildhafte Fassung erscheint die Wirklichkeit als sinnlose und amorphe Masse von Einzeltatsachen, die ohne wechselseitigen Bezug existieren: Sie erscheint ungeordnet, unbegreiflich, chaotisch.“ (Architettura come tema, p. 107). Hier wird die Wirklichkeit des Forschungszentrums in einem Bild gefaßt, das die Abfolge der Skizzen deutlich macht: in…

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