Biennalen: Sao Paulo ,

Polyphonie des Durchschnittlichen

Affective Affinities – Gefühlsverwandtschaften

07.09. – 09.12.2018

Die 33. Biennale von São Paulo versteht sich als Gegenmodell zu den Themen-Biennalen und hält problematische Distanz zu einem Land im politischen Umbruch.

von Ingo Arend

„Die Autoren der Ausstellung gehören alle erschossen“. Jair Bolsonaro war nicht zimperlich. Als der rechtspopulistische Kandidat für die brasilianischen Präsidentschaftswahlen am 7. Oktober im Frühjahr in einer Talkshow zur Kontroverse um das „Queermuseum“ befragt wurde, empfahl der Politiker, die Macher der Schau zu den „Kartographien der Differenz in der Kunst Brasiliens“ kurzerhand zu „füsilieren“.

Der schockierende Spruch des Politikers, dem über 20 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang prognostiziert werden, zeigt den Gegenwind, der der progressiven Kultur des Landes seit einiger entgegenschlägt. Schon im Oktober letzten Jahres hatten Brasiliens Kulturschaffende in einem Offenen Brief „alle demokratischen Kräfte“ aufgerufen, die „sozialen und kulturellen Freiheiten“ zu verteidigen.

Trotz dieser angespannten Lage und der aufgeladenen Stimmung gegen Kulturschaffende hat die 33. São Paulo-Biennale, die Anfang September in der brasilianischen Metropole eröffnete, darauf verzichtet, sich diesem Klima frontal entgegenzustellen.

Es sei denn, man wertet die Tatsache, dass Kurator Gabriel Pérez-Barreiro sieben weitere KuratorInnen aus aller Welt eingeladen hatte, als Zeichen für internationalen Austausch in einem Land, das sich nun auch immer mehr einem aggressiven Nationalismus ergibt. Und als Zeichen gegen die Kultur des starken Mannes und des martialisch-machistischen Modells politisch-kultureller Führung, die nicht nur in Brasilien, sondern weltweit wieder fröhliche Urstände feiert. Die subtilere Form einer Ästhetik des Widerstands, um die es dem Chef der, nach Venedig zweit ältesten Biennale der Welt ging, läuft in dem…

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