Essay · von Wulf Noll · S. 185
Essay , 1995

Wulf Noll

Postmoderne, Quo Vadis?

Zur Entwicklung der Postmodernen und der Nachpostmodernen Positionen bei Welsch, Sloterdijk und Flusser

In seiner Schrift „Eurotaoismus“ (1989) nennt Sloterdijk „die Trostlosigkeit, die man nicht einmal mehr originell formulieren kann“ „postmodern“1. Das heißt, das Reden von Postmoderne ist an eine Grenze gekommen, von der man abrücken möchte. Der Befund zu Sloterdijk und zu Welsch ist dennoch ein anderer, denn beide Philosophen versuchen wesentliche Bestimmungen der Postmoderne zu geben. Nicht nur das, Welsch hat in seiner umfangreichen Abhandlung „Unsere postmoderne Moderne“ (1986, 3. Auflage 1991) den Verlauf der Diskussion seit Lyotards Eintreten für die Postmoderne auf so überschaubare Weise festgehalten, daß man ihn einen Enzyklopädisten der Postmoderne-Diskussion nennen könnte. Lyotards Ansatz 1979 („La condition postmoderne“) war mehr Programm als Ausführung, so daß seit dieser Zeit viele Wege der postmodernen Philosophie beschritten werden konnten. Lyotards Abhandlung gab jedoch eine Zielsetzung vor. Es ging um die „Untersuchung der Lage des Wissens in den höchstentwickelten Gesellschaften“. Dabei bezeichnet der Terminus postmodern „den Zustand der Kultur nach den Transformationen, welche die Regeln der Spiele der Wissenschaft, der Literatur und der Künste seit dem Ende des 19. Jahrhunderts getroffen haben“2.

In Deutschland ist die Postmoderne-Diskussion hauptsächlich eine philosophische Diskussion, die über die engen Fachgrenzen hinausfragt. Während die 80er Jahre von einer Kontroverse zwischen „Postmodernen“ und „Modernen“ geprägt wurde und Wissensformen und Rationalitätstypen sowie der gesellschaftliche Zusammenhang hinterfragt wurden, zeichnet sich in den 90er Jahren der Trend ab, die philosophische Ästhetik postmodern zu begründen.

Die „Vorreiterfunktion“ in der deutschen postmodernen Philosophie, gerade auch hinsichtlich der ästhetischen Wendung,…

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