Gespräche mit Kunstvermittlern · von Cornelia Gockel · S. 390
Gespräche mit Kunstvermittlern , 2009

Potenziale performativer Kunst

Ein Gespräch mit Heinz Schütz über sein Ausstellungsprojekt „Performing the City“

von Cornelia Gockel

In den 60er und 70er Jahren entstanden mit Happenings, Aktionen und Performances neue Kunstformen, mit denen Grenzen überschritten und gesellschaftliche Konventionen hinterfragt wurden. Unter institutionskritischem Vorzeichen agierten viele der Künstler auch im öffentlichen Raum. Für sein Ausstellungsprojekt „Performing the City“ dokumentierte der Kunstkritiker und Kurator Heinz Schütz die künstlerischen Aktionen am Beispiel von elf Großstädten in Amerika, Asien und Europa und präsentiert das umfangreiche Material in einer Wanderausstellung, die nach Stationen in München und Neapel im Mai 2009 in Paris und 2010 in São Paulo zu sehen sein wird.

Cornelia Gockel: In ihrem Ausstellungsprojekt „Performing the City“ setzen Sie sich mit der performativen Kunst der 60er und 70er Jahre im öffentlichen Stadtraum auseinander. Wie sind Sie auf das Thema gekommen?

Heinz Schütz: Mit performativer Kunst beschäftigte ich mich bereits in meiner Studienzeit. In den letzten Jahren setzte ich mich insbesondere mit dem Verhältnis von Stadt und Kunst auseinander. Dabei zeigte sich, dass die ästhetischen und politischen Potenziale radikaler 60er-und-70er-Jahre-Kunst allmählich im Orkus des Vergessens verschwinden. Ein die Vorstellung von Kunst im öffentlichen Raum prägendes Projekt wie etwa Münster ist vom Ausgangspunkt her skulptural. Der Aspekt des Performativen wird marginalisiert, wenn er denn überhaupt vorkommt. Die postmodernistische Wende der 80er Jahre geht Hand in Hand mit dem Siegeszug des Museums. Das Museum versagt gewöhnlich nicht nur um Umgang mit performativer Kunst, sondern auch im Umgang mit jener Kunst, die das Museum und sich selbst in Frage stellte. Diese geschichtsverzerrende…

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