Ausstellungen: Paris , 1993

Maribel Königer

Qui, quoi, où?

Soll man es einen Tribut an den Zeitgeist nennen, den Kuratoren zollen, die in diesen Tagen Ausstellungen nach Nationalitäten getrennt veranstalten? Ist diese Programmatik nun völlig veraltet oder unerwartet aktuell angesichts eines Kunstmarktes, der längst keine Ismen mehr kennt, sondern bestenfalls Galeristennamen („die Nagel-Leute“) oder Kunstakademien („die Düsseldorfer“) benutzt, um Clans und Interessengruppen zu klassifizieren? Gilt denn inzwischen nicht das Fortbestehen eines aus der Nachkriegsordnung geborenen Staates als wesentlich unsicherer als das Überleben einer eingeführten Galerie? Das Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris hat jedenfalls bei der Planung seines „Parcours Européen“, in dessen Rahmen sich auch das junge Deutschland präsentieren darf, Voraussicht bewiesen. Belgien, das sich mit einer immer stärker werdenden Separatistenbewegung herumschlagen muß, und die Tschechoslowakei, deren Schicksal bereits besiegelt ist, waren als erste an der Reihe, ihre jungen Talente vorzustellen, bevor das unter diesen Flaggen nicht mehr möglich sein wird. Und dem Titel der von Laurence Bossé und Hans Ulrich Obrist konzipierten Veranstaltung nach zu schließen (Wer, was, wo?), rechnet man auch bei den Deutschen mit zunehmender Orientierungslosigkeit.

Den letzen Überblick über die deutsche Kunstszene gab in Paris die 1981 gezeigte Ausstellung „Art/Allemagne/Aujourd’hui“, die Suzanne Pagé, Direktorin des Musée d’Art Moderne, gemeinsam mit René Block

zusammengestellt hatte. Einzelausstellungen, die eingeführten Größen von Kiefer über Polke, Schütte, Förg, Ruthenbeck, Mucha und Klingelhöller bis demnächst hin zu Richter gelten, ergänzen das Bild, das dem Pariser Publikum von der deutschen Gegenwartskunst gezeichnet wird. Dessen Kenntnis ist diesbezüglich überraschend gering, wenn man bedenkt, wie sehr sich gerade in letzter…

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von Maribel Königer

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