Gespräche mit Künstlern , 1992

Jeffrey Shaw

Reisen in virtuelle Realitäten

Ein Gespräch von Florian Rötzer

Jeffrey Shaw ist wohl gegenwärtig einer der interessantesten Computerkünstler, der die interaktiven Möglichkeiten dieser Technik erforscht und dabei immer die Relation zwischen Körper und Medium, zwischen Realität und Virtualität thematisiert. Schon seine ersten Arbeiten, die er zusammen mit Sean Wellesley-Miller (67-70) und Theo Botschuijver (67-82) im Kontext der „Eventstructure Researche Group“ durchführte, zeigen die konsequente Entwicklung von Performances und Expanded-Cinema-Installationen hin zu interaktiven Computerinstallationen. Bereits die Verwendung von aufblasbaren und durchsichtigen Gebilden, in denen Menschen beispielsweise über das Wasser gehen konnten, errichten gewissermaßen Räume in Räumen, die ineinander übergehen. Die Einbeziehung des Zuschauers als Akteur, die Verwendung von Medien, die Überlagerung von Räumen waren für ihn immer wichtige Dimensionen seiner Kunst, die sich darum bemühte, das Spektakuläre einzubeziehen, ohne ihm zu verfallen. An seinen Arbeiten lassen sich exemplarisch die Entwicklungen von der partizipativen zur interaktiven Kunst mit all ihren Schwierigkeiten nachvollziehen. Weltweit bekannt wurde er durch seine Installation „The Legible City“, bei der man, auf einem Fahrrad sitzend, mit dem Treten der Pedale durch den virtuellen Raum einer Stadt fahren kann, die durch Schriftzeichen repräsentiert wird. Ähnlich wie beim Cyberspace verändert man durch die physische Bewegung des eigenen Körpers das virtuelle Bild, durch das man reist. Die Reise durch die Stadt ist zugleich eine Lesereise. Die möglichen Thrills der Simulation werden so im Zeichen der Kunst zurückgenommen. Über die Probleme und Perspektiven der interaktiven Computerkunst sowie über seine Pläne für das Institut für Bildmedien am ZKM, dessen Direktor Jeffrey Shaw unlängst wurde,…

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