Ausstellungen: Regensburg · von Martin Blättner · S. 365
Ausstellungen: Regensburg , 2005

MARTIN BLÄTTNER

Ren Rong, Andreas von Weizsäcker

Städtische Galerie „Leerer Beutel“, 17.9. – 14.11.2004

Nicht nur in der Politik, auch in der Kunst rollen gelegentlich Köpfe. Vor gehängten Fotofolien – die das Depot vom Militärhistorischen Museum in Dresden abbilden -hat Andreas von Weizsäcker inmitten des Ausstellungsraums hohle Häupter am Boden verstreut. Es handelt sich um dunkel pigmentierte Papierabformungen eben jener Militaria-Sammlung, die das Museum zu bieten hat. Die porträtierten Offiziere, Vertreter oder Gönner des Heerwesens werden gewissermaßen vom Sockel gestürzt: dem Tod auf dem Schlachtfeld sind sie jedenfalls näher als einer posthumen Verklärung, wie es etwa nach dem Erwachen des Nationalismus im 19. Jahrhundert üblich war.

Ganz frei von politischen Intentionen sind die Objekte des Münchner Kunstprofessors – Sohn des früheren Bundespräsidenten – offensichtlich nicht. Auch die mehrteilige Bodeninstallation „Contrade dell Arte“ versinnbildlicht einen Denkmalsturz. Die fragmentarischen Hüllen eines Pferdes stapeln sich vor dem hohen Podest sozusagen als Sinnbild für das Scheitern monumentaler Überhöhung. Ferne Assoziationen zu dem italienischen Bildhauer Marino Marini könnten sich einstellen, der sich seit 1936 immer wieder mit dem Thema „Pferd und Reiter“ auseinandergesetzt hat und keine Triumphbilder schaffen, sondern dem Tragischen ein Denkmal setzen wollte.

Nicht alle Installationen beschwören den Schrecken der Niederlage oder gar einer Art Menschheits-Dämmerung. Bei der „Tabula rasa“ scheint Weizsäcker lediglich „reinen Tisch“ mit einer etwas veralteten Büroeinrichtung machen zu wollen. Zwar hängt der Bürostuhl an der Wand, ansonsten sind aber Computer-Bildschirme, Telefone, Aktenkoffer, Radios, Globen, Ordner oder Bücher, Fernseher usw. zu relativ überschaubaren Gruppen gestapelt. Die altertümlichen Schnurleitungen sind mit einzelnen Steckdosen nicht verkabelt. Das…

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