Ausstellungen: München , 1997

Michael Hauffen

Richard Prince

»Passionsspiel«

Haus der Kunst, München, 15.11.1996 – 6.1.1997

Postmoderne ebenso wie moderne Zeiten erfordern von einem Individuum, das auf kulturell hohem Niveau mithalten will, einen großen Aufwand. Kunst ist davon keineswegs ausgenommen. Wenn man von den äußerlichen Zwecken, denen diese Anstrengung häufig dient, einmal absieht, dann bleibt der Lustgewinn einer plötzlichen Erleichterung, die sie uns gelegentlich verschafft. Richard Prince artikuliert diesen Sachverhalt, indem er anstelle eines auratischen Kunstwerkes oftmals nur einen Witz präsentiert, bei dem der Lacheffekt sozusagen jeden Zweifel beseitigt, ob der Genuß nun echt oder nur eingebildet war.

So sind die großformatigen monochromen Bildtafeln, die in einer oder zwei Zeilen den Text eines Witzes wiedergeben, auch als eine Art von provokativer Geste zu verstehen: daß der Künstler nicht bereit ist, seinen Spaß anderen Imperativen zu opfern. Um von Witzen an dieser Stelle mitgerissen zu sein, muß jemand allerdings eine Reihe von Dispositionen mit ihm gemeinsam haben. Vor allem darf sich eine solche Person nicht mit einer der hier abqualifizierten Positionen, z.B. moralischer oder ökonomischer Natur, allzusehr identifizieren. Aber auch dann bleibt noch die Schwierigkeit, die von Prince ausgewählten Witze zu verstehen. Was für gute Witze generell gilt, daß sie nämlich das Leiden am eigenen kulturellen Anspruch voraussetzen, wird von Prince noch gesteigert, indem er nur sehr exquisite Exemplare der Gattung in sein Werk hineinnimmt.

Gehört man nun diesem exklusiven Kreis derartig Disponierter zumindest zeitweilig an, dann teilt sich auch die zynische Heiterkeit mit, die über die Witze hinaus in den Arbeiten von Richard Prince als Grundstimmung wahrnehmbar ist. Ein großer…

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von Michael Hauffen

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