Ausstellungen: Köln , 1996

Jürgen Raap

Rik van Iersel

»Good Morning World!«

Carsten Neumärker Galerie, Köln, 14.11. – 16.12.1995

Rik van Iersel (Jahrgang 1961) begann seine künstlerische Karriere als Grafiker, Comic-Zeichner und Musikperformer. Als Maler ist er Autodidakt, und die malerischen Anfänge in den frühen achtziger Jahren waren deutlich durch den Einfluß der zeittypischen deutschen „Jungen Wilden“ und durch eine formale Nähe zur Art Brut geprägt. In der Konzeption der Figuren durch wenige harte, einfache Striche werden die späteren Skelettmotive bereits vorformuliert, die ab 1991 vermehrt in seinen Arbeiten auftauchen; die Ausstellung bei Carsten Neumärker umfaßt einen Werkzyklus aus den Jahren 1994/95.

Über den persönlichen Hintergrund der Themenfindung berichtet Rik van Iersel, daß er als Kind jahrelang „einen echten Menschenschädel“ in seinem Zimmer aufbewahrte und diesen vor seinen kindlichen Besuchern verstekken mußte, da diese sich davor ängstigten. Direkter Anlaß für die ausgestellte Werkserie waren eine Reihe von Todesfällen in seinem näheren persönlichen Umfeld, wobei die Malerei allerdings nicht selbsttherapeutischen Zwecken zur Bewältigung emotionaler Betroffenheit folgt. Ursprünglich wollte van Iersel diesen Zyklus „Ende des Abendlandes“ nennen, und der dann gewählte, keineswegs ironisch gemeinte Titel „Good morning world!“ verweist wohl auch auf den Versuch, die Haltung einer Distanziertheit zum Tod zu gewinnen, wie sie sich z.B. jene zu eigen machen, die damit professionell umzugehen haben.

In der Anschauung des bloßen Skeletts ist das individuelle Schicksal weitgehend verblaßt, die Ausstellungsinszenierung pointiert dies in der Zusammenfassung von Einzelbildern zu Triptychen oder als Doppelbild innerhalb eines Exponats. Dabei ist ablesbar, wie sich die Auffassung von Figuration im Laufe des Arbeitsprozesses verändert hat: Zunächst ist ein…

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