Ausstellungen: Berlin · S. 308
Ausstellungen: Berlin , 1990

Thomas Wulffen

Robert Rauschenbergs ROCI

Neue Galerie im Alten Museum, 10.3. – 1.4.1990

Nach der Öffnung der Grenzen überschwemmt westdeutsches und westeuropäisches Kunstgut die Ausstellungshallen Ost-Berlins. Nach Wolf Vostell und Rainer Fetting wird demnächst Georg Baselitz seinen Pfahl in die Ost-Berliner Kulturlandschaft einschlagen. Daß damit eine weitgehend expressionistische Richtung zeitgenössischer Kunst ihren Einstand dort gibt, mag einen nicht verwundern, denn schließlich ist Malerei schneller kommerziell verwertbar als Installationen oder Konzepte. Schließlich soll auch auf die Bedürfnisse der DDR-Kunstfreunde Rücksicht genommen werden, scheint es. So wie nach dem Mauerfall der DDR- Bürger in West-Berlin gleich mit der Retrospektive des DDR-Malers Bernhard Heisig konfrontiert wurde und allenfalls die West-Berliner Nationalgalerie mit ihrer Sammlung Einblicke in die nicht expressiv ausgerichtete zeitgenössische Kunst gewährte, so bindet sich der West-Berliner Kunstexport fast nahtlos in eine Kunstlandschaft ein, die ebenfalls expressiv ausgerichtet ist. Man mag feststellen, daß die West-Berliner Kunst von vornherein expressiven Charakters ist, der konzeptuelle oder analytische Formen nicht anerkennen kann (was die Künstlerliste zum Ausstellungsprojekt „Ambiente Berlin“ auf der Biennale Venedig nahelegt und verstärkt), das aber würde nicht ausschließen, daß Exporte von Westdeutschland (die in West-Berlin selber schwer Fuß fassen können) und Westeuropa das Bild korrigieren.

Eine erste Korrektur nimmt mehr zufällig als bewußt das Ausstellungsprojekt Rauschenberg Overseas Culture Interchange (ROCI) vor. Die erste Idee, das Projekt gleichzeitig in Ost- und West-Berlin stattfinden zu lassen, zerschlug sich. Dennoch konnte sich der westliche Kunsthallen-Direktor Dieter Ruckhaberle, einer der Initiatoren der Übernahme, stolz an die Brust schlagen, hatte er es doch geschafft, sein Kunstverständnis nun auch den Ostdeutschen aufs…

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