Titel: Staunen - Gespräche zu Signatur und Spekulationen · von Paolo Bianchi · S. 136
Titel: Staunen - Gespräche zu Signatur und Spekulationen ,

Roger M. Buergel

Fundierte Spekulationen
Anders-Sehen, Anders-Ordnen, Anders-Wissen, Anders-Kuratieren

Ein Gespräch mit Paolo Bianchi

Der Kunstkritiker der „New York Times“ staunt nicht schlecht, als er in Hamburg im Museum für Kunst und Gewerbe die Ausstellung „Mobile Welten“ (2018) besucht. Er schreibt denn auch von einem „leicht böswilligen“ deutschen Kurator namens Roger M. Buergel und von einer Ausstellung, die von einem seltenen Ehrgeiz und Schwung beseelt sei. Sie komme ohne Angst vor ein paar guten Witzen aus und sei irgendwie ein wenig verrückt. Ein einziger großer Ausstellungsraum sei mit wertvollen, einzigartigen und massenproduzierten Objekten sowie zeitgenössischer Kunst von bekannten und unbekannten Persönlichkeiten vollgepackt worden. Um das alles zu verstehen, müsse man nicht nur genau hinschauen, da es kaum Beschriftungen gäbe, sondern vor allem auch darüber nachdenken, wie durch Bewertungen die Bedeutung und Schönheit eines Objekts überhaupt zustande komme. („NY Times“ vom 11.07.2018) Im KUNSTFORUM-Gespräch erzählt Buergel, was er sich dabei genau gedacht hat und dass das Museum einen privilegierten Ort darstelle, „um mit der nötigen Ruhe den (Hinter-)Gründen nachzuspüren, warum gewisse Dinge, die gleich aussehen, verschieden codiert sein können“.

OHNE ANFANG UND ENDE

Das Gespräch mit Roger M. Buergel kreist zwar um „Mobile Welten“, es erweitert jedoch zugleich den Horizont um grundsätzliche Fragen einer künstlerischen, kuratorischen und kunstvermittelnden Arbeitspraxis, die dezidiert anders sein will, als die sonst für gewöhnlich praktizierte Hyperaktivität im Betriebssystem Kunst, die bloß in Routinen und Konventionen verharrt. Wenn im Verlauf des Zürcher Gesprächs der paradoxe Ausdruck „fundierte Spekulationen“ fällt, so ist das in Bezug auf Buergels Selbstverständnis als Künstler-Kurator sehr wohl als eine…

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