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Essay · S. 196 - 197
Essay , 1986

Stephan Schmidt-Wulffen
Rundherum das ist nicht Schwer

Drauf gekommen sind schon viele, doch erst der Wolkenkratzer verleitete seine Autoren, ins offene Messer zu laufen. Seit April dieses Jahres stiftet das ,Art Journal‘ seine Kritiker in der Spalte „Kritik der Kritik“ zur Kollegenschelte an. Und es dauerte auch nicht lange, bis es den ersten erwischte. Donald B. Kuspit berichtete im Sommer über die Kritiker-Diskussion des Züricher Forums unter der, wie sich schnell herausstellte, euphemistischen Überschrift „Amerikanische und deutsche Kritiker: Verschiedene Weltanschauungen -verschiedene Temperamente.“

Mit der charmanten Dickfälligkeit des Kritikerpabstes .bewegte sich der Amerikaner im europäischen Porzellanladen und bekam prompt im nächsten Heft eins auf den Rüssel. Der Elefant aus Übersee war in der Rolle des „geschwätzigen, intoleranten, besserwisserischen Schulmeister“ (Paul Groot) allerdings unschlagbar. Während er sich und die amerikanische Kritik als „risikofreudig, forsch, neugierig und suchend“ pries, theoriestark und der Spekulation nicht abgeneigt, steckte er ,die‘ deutsche Kritik, Amine Haase und Annelie Fohlen mußten für die ganze Zunft geradestehen, in die Filzpantoffeln und postierte sie in Spitzweg-Kulissen. Konservativ und introvertiert seien die Kollegen hierzulande, die alten Kategorien der Kunstargumentation würden ihnen völlig ausreichen, kein Wunder, daß sie ohne alles „theoretische Flair“ hantierten. „Seriös“ wollten sie sein und verlören darüber den Sinn für Schlagfertigkeit, ironisches Amüsement, theoretische Spielerei, vollends „wenn diese auf Kosten des Diskussionsobjekts gingen“. Daß man offenbar unter amerikanischen Kritikern in dieser Hinsicht lockerer denkt, dafür jedenfalls lieferte Kuspit, wenn auch nicht gerade mit der gepriesenen sprachlichen und theoretischen Brillianz, ein glänzendes Beispiel. Schließlich formulierte der Meisterdenker seine eigene These und baute…


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