Gespräche mit Kunstvermittlern · von Martin Blättner · S. 391
Gespräche mit Kunstvermittlern , 1992

Martin Blättner

Sammlungspolitik

Fragen an den Generaldirektor der Bayrischen Staatsgemäldesammlung,

Johann Georg Prinz von Hohenzollern

Martin Blättner: Herr Prinz von Hohenzollern, nach Informationen des Fernsehmagazins „Panorama“ sollen die Bayerischen Gemäldesammlungen über Jahre hinweg Gemälde zu weit überhöhten Preisen gekauft haben. Was ist an diesen Darstellungen richtig, was falsch?

J. G. P. v. H.: Der Marktpreis für ein Gemälde richtet sich nach einer Reihe von Faktoren, deren einer Angebot und Nachfrage oder die außergewöhnliche Qualität des Kunstwerks ist. Es ist richtig, daß die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen über Jahre hinweg teuere Gemälde erworben haben. Das liegt daran, daß für Museen, wie die Alte oder Neue Pinakothek oder die Staatsgalerie Moderner Kunst, nur Meisterwerke der allerersten Qualität angekauft werden. Bei Ansatz dieser Maßstäbe hat sich erwiesen, daß diese Bilder auch Jahre danach ihren Platz in den Galerien behauptet haben und heute in vielen Fällen ein Vielfaches an Wert gewonnen haben.

Das Hamburger Magazin führte mehrere Fälle an, in denen Bilder bis zum 20fachen von marktüblichen Preisen angekauft worden sein sollen. Nun läßt sich der Marktwert der Ware Kunst sicher nicht auf Heller und Pfennig genau taxieren, andererseits gehe ich davon aus, daß eine staatliche Institution stets so billig wie möglich einkaufen wird. Haben sich die Käufer Ihres Hauses so arg verkalkuliert?

Kein Bild eines Meisters ist mit einem anderen zu vergleichen. Dies gilt für die Qualität wie für den Marktwert. Es ist daher unsinnig, zu behaupten, daß gelegentlich Bilder bis zum 20fachen des marktüblichen Preises angekauft wurden. Jedes Meisterwerk hat seinen Marktwert, der aber nur annähernd ermittelt werden kann. Vor…

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