Magazin · von Alexander Braun · S. 506
Magazin , 2001

Samuel Becketts Texte zur Bildenden Kunst

Kaum ein literarisches Werk des 20. Jahrhunderts hat die bildende Kunst so stark beeinflusst wie das von Samuel Beckett (1906 – 1989). Becketts Ästhetisierung des Kreisens der Kreatur um sich selbst, das Motiv des unablässigen Perpetuierens ohne dem Ziel näher zu kommen – das Ziel mitunter nicht einmal ins Auge fassen zu können -, das Absurde unserer Existenz und die damit verbundene Gnade des Scheiterns, „die Verabschiedung des Autors und die Verweigerung von Sinn“ (Sabine Folie) lassen sich von der Minimal Art über die Konzept-Kunst bis hin zum Aktionismus und die Videokunst wiederfinden. Eine gattungsübergreifende Doppelausstellung, wie die im letzten Jahr in der Kunsthalle Wien zum Werk von Bruce Nauman und Samuel Beckett, stellt eine Wegmarke dar, der andere Unternehmungen dieser Art folgen sollten. Dass die Befruchtung zwischen Beckett und der bildenden Kunst vielfältiger und tatsächlich gegenseitig bereichernder Natur war, lässt sich jetzt anhand eines überschaubaren Bandes nachvollziehen, in dem zum ersten Mal Becketts Kommentare zur bildenden Kunst versammelt vorliegen. Sieht man von der Einleitung von Michael Glasmeier und Gaby Hartel, einem Abbildungsteil und dem ausführlichen Anhang ab, handelt es sich gerade mal um 50 Druckseiten, verteilt auf 9 Texte aus den Jahren 1945 bis 1967, darunter auch solche, die nur aus wenigen Sätzen bestehen. Der geringe Umfang an sich mag nicht unbedingt überraschen, gilt Beckett doch allgemeinhin als „ökonomischer“ Autor. Verwunderlich erscheint die Verhältnismäßigkeit erst dann, wenn man in Rechnung stellt, welch großes Interesse Beckett der Kunst zeitlebens entgegenbrachte und wie lange er sich…

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