Titel: Das Gartenarchiv , 1999

Sandra Voets

In den klassischen Gattungen der bildenden Künste gehören Blumen zum festgelegten Repertoire der symbolischen oder metaphorischen Bedeutungsträger. Sie reflektieren das Sein in einem Spannungsfeld zwischen Schönheit und Vergänglichkeit.

Dies wird uneingeschränkt akzeptiert, solange die Blume im Medium der Malerei auftritt. Bei Installationen, Objekten oder Prozeßdemonstrationen stellt sich leicht die Gefahr des Gefälligen, des Ornamentalen, des einseitig Ästhetischen ein. Die Blume droht in der reinen Präsentation eine inhaltliche Entleerung zu erfahren. Diese Gefahr vordergründiger Schönheit erscheint in den Arbeiten von Sandra Voets als Thema. Via ironischer Affirmation deutet sie auf die Leerstellen zeitgeistiger Wertigkeit, die in der Repräsentation bereits den Inhalt findet. Die Folge ist eine weitreichende Indifferenz gegenüber dem Lebendigen zugunsten einer gesteigerten Aufmerksamkeit für alles Stilisierte.

In den Arbeiten von Sandra Voets treten Pflanzen etwa seit 1992 in realer Gestalt auf. Sie dienen als Ausgangsmaterial für Rauminstallationen, Objektassemblagen und Akkumulation.

Zeichnungen, Textcollagen, Fotografien, Video und Performance dokumentieren und ergänzen die zumeist ephemeren Arbeiten.

Die Pflanzen, in letzter Zeit verstärkt Schnittblumen, werden als Material benutzt. Im wesentlichen lassen sich Zurichtungsformen des Fragmentierens und im weitesten Sinne des Konservierens beobachten. Objektassemblagen binden die Blumen in ein Szenario bedrückender technoider Vergewaltigung ein. Die Blumen werden in einer Mischung aus kindlicher Unschuld und frivoler Bösartigkeit zu Tode gepflegt.

Statt der vordergründigen Pietät im Umgang mit Blumen, ist in der Arbeitsweise der Künstlerin eine Gleichgültigkeit gegenüber dem Lebendigen zu beobachten, die in der pointierten Zuspitzung über den Umgang mit Natur unter den Bedingungen unseres kulturellen Kontextes reflektiert.

Die Sehnsucht nach dem ewigen Frühling, die sich in den Substituten technologisch…

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von Michael Voets

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