Magazin: Aktionen, Pläne & Projekte , 2000

UTE THON

Sanitation-Sensation

Skandal um Hans Haacke-Werk in New York

New York hat einen neuen „Sensation“-Skandal. Zwei Monate nach Ende der umstrittenen Ausstellung junger britischer Künstler im Brooklyn Museum of Art, die der Bürgermeister aufgrund eines angeblich gotteslästerlichen Bildes schließen wollte und damit eine heftige Debatte über Zensur und künstlerische Freiheit auslöste (s. KUNSTFORUM Bd. 148), sorgt nun ein Werk des Künstlers Hans Haacke für Aufregung. Und dass, obwohl die betreffende Arbeit bislang noch gar nicht öffentlich zu sehen war. Die Arbeit mit dem Titel „Sanitation“, ein doppeldeutiger Begriff, der im Amerikanischen sowohl für ‚Müllabfuhr‘ als auch für ‚Hygiene‘ steht, ist Haackes Beitrag zur diesjährigen Whitney-Biennale, Amerikas wichtigste Übersichtsschau für zeitgenössische Kunst, die am 23. März im Whitney Museum of American Art eröffnet wird. Laut Presseberichten soll es sich dabei um eine Raum-Installation mit 8-12 Mülltonnen handeln, aus denen Stiefelgeräusche marschierender Truppen erklingen. An der Wand hängt ein Auszug des amerikanischen Grundgesetzes zur Meinungsfreiheit und in Frakturschrift sechs kunstfeindliche Zitate des Bürgermeisters und anderer konservativer US-Politiker.

Die Kontroverse startete vergangenen Donnerstag, als die New York Times auf Seite Eins von dem brisanten Haacke-Kunstwerk und seinen Zitaten „in Nazischrift“ berichtete. Die Boulevardpresse griff das Thema auf und druckte empörte Stellungnahmen von Betroffenen, Museumsangestellten, und Sponsoren. Haacke wurde mit Anrufen überschüttet und tobte, dass über seine Arbeit spekuliert würde, bevor sie überhaupt fertig sei. Die Anti-Defamation League warf Haacke vor, er trivialisiere mit dem Werk den Holocaust. Und am Sonntag kündigte Marylou Whitney, die Schwiegertochter der Museumsgründerin, aus Protest ihre finanzielle Unterstützung auf. Das Whitney Museum,…

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