Messen & Märkte · von Jürgen Raap · S. 390
Messen & Märkte , 2003

JÜRGEN RAAP

Schlechte Konjunktur

Die ART COLOGNE 2002

Wenn in der generellen gesellschaftlichen Zeitstimmung Ungewissheiten und Unsicherheiten vorherrschen, klammert man sich gern an das Vertraute. Die Hinwendung zum Konservativismus entspringt Bedürfnissen nach Heimeligem und Tümeligem, und dem kann sich offenbar auch der Kunstmarkt nicht entziehen. Jedenfalls war eine ART COLOGNE noch nie in ihrer 36-jährigen Geschichte so bieder und so bedächtig bestückt wie jüngst jene im November 2002. Selbst die jungen Galerien, sonst für allerlei Schrillheiten gut, schienen sich bis auf ganz wenige Ausnahmen diesmal auf die Devise „Keine Experimente“ verständigt zu haben.

Wohin das Auge auch blickte: Es gab an den 258 Galerienständen zwar gottlob diesmal keinen oberflächlich-modischen Firlefanz zu sehen, allerdings – abgesehen von der wie immer erfrischenden Sonderschau der Kölner Kunsthochschule für Medien – eben auch wenig künstlerische Wagnisse. Lediglich die Galeristen Ascan Crone und Andreas Osarek (Hamburg/Berlin) boten an ihrem Stand eine recht wüste Bild-Objekt-Installation von Jonathan Meese als Blickfang (9.000-15.000 Euro pro Einzelwerk). Doch obwohl Meese zur Zeit als Shooting-Star gehandelt wird, waren die beiden Galeristen vorsichtig und flankierten die unverfrorenen Meese-Bilder mit soliden Zeichnungen von Hanne Darboven für je 25.000 Euro. „Die Messe war okay, freilich nicht sehr berauschend. Es fehlten diesmal die Sammler“, bilanzierte Andreas Osarek mit leichter Enttäuschung in der Stimme.

Sein Mailänder Kollege Bruno Grossetti übte eine ähnliche Strategie der Risikoabsicherung und platzierte die 7.000 Euro teuren Kartonagebilder des Kölner Künstlers Heinz-Hermann (alias Heinz-Hermann T.) mit Bedacht zwischen etablierten Namen wie Lucio Fontana, Antonio Calderara und Josef Albers. Bruno Grossetti spürte ebenfalls bei den Käufern eine…

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