Gespräche mit Künstlern · von Heinz Schütz · S. 376
Gespräche mit Künstlern , 1993

Heiner Blum

Schwarzer Schnee

Ein Gespräch von Heinz Schütz

Zur Zeit seiner Ausbildung befaßt sich Heiner Blum primär mit Fotografie. Geht man davon aus, daß entscheidende Parameter des fotografischen Verfahrens Ausschnittwahl, Belichtung und Zeitfixierung sind, kann von der Geburt seiner künstlerischen Arbeit aus dem Geist der Fotografie gesprochen werden. In seinen Anfang der achtziger Jahre entstehenden Alarm- und Passepartout-Serien legt er Ausschnitte aus Zeitungs- und Zeitschriftenmaterial fest. Hier bereits behandelt er Text und Bild gleichwertig. Licht wird insbesondere in seinen Fensterarbeiten und Installationen zum Thema. Dem Blick des Allegorikers entsprechend konzentriert sich Blum immer wieder auf Zeit und Vergänglichkeit. Auf der Suche nach Existentialien entstehen Skulpturen, Porträts, Fenster-, Spiegel- und Wandarbeiten, Lichtbildprojektionen, Text- und Zeichenbilder. Die Vereinheitlichung der Gegensätze, die Blum immer wieder anstrebt, erinnert an die Cusanische „coincidentia oppositorum“.

Weißer Kubus, dunkles Depot

H. S.: Im Laufe der letzten elf Jahre hast du ein Archiv aufgebaut, von dem du sagst, daß es gewissermaßen ein Kapital darstellt, das als Zinsen deine Arbeiten abwirft. In einer Art Umkehrung wäre es möglicherweise sinnvoll, das Archiv bei der Kunstproduktion nicht nur als Ausgangspunkt, sondern als potentielles Ziel mitzudenken, denn die meisten Kunstwerke landen, insofern sie überhaupt ins Musem gelangen, im Depot. Man könnte sich vorstellen, daß das Museumsdepot zu einem fruchtbaren Archiv wird.

H. B.: Kapital kann natürlich nur dann fruchtbar sein, wenn mit ihm gearbeitet wird. Kapital, das ruht, ohne daß jemand von ihm weiß, ist völlig uninteressant. Das Depot des Museums ist meistens ein Grab. Wenn man Glück hat, wird es vielleicht in ein paar hundert Jahren…

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