Ausstellungen: Wien · von Ralf Hanselle · S. 370
Ausstellungen: Wien , 2009

Ralf Hanselle

Sharon Lockhart: Lunch Break

Das Ende der Arbeit

Secession 21.11.2008 – 18.01.2009

Abgerechnet wird am Ende. Und just dort – am Ende – ist seit längeren das Untersuchungsgebiet der US-amerikanischen Künstlerin Sharon Lockhart. In ihrer aktuellen Langzeitrecherche „Lunch Break“ hat sich die 1964 in Norwood, Massachusetts geborene Fotografin und Videokünstlerin mit dem ausgehenden Industriekapitalismus im 21. Jahrhunderts auseinandergesetzt. Zwar stehen bei diesem die Räder noch nicht gänzlich still, doch Digitalisierung und Dienstleistungsboom sind der industriellen Moderne bereits bedrohlich nahe gerückt. Fast museal wirkt heute, was vor einigen Jahren noch für Fortschritt stand. Sharon Lockhart – einst selbst noch in einem klassischen Haushalt amerikanischer „Working Class Heroes“ hineingeboren – hat in ihren aktuellen Filmen und Fotos daher präzise zu vermessen versucht, was zunehmend zu entschwinden scheint: die kleinen Routinen und Rituale der Arbeiterklasse.

In einer aufwendigen Langzeitrecherche hat sich Lockhart dorthin begeben, wo das Industriezeitalter noch unter Dampf steht: In die Bath Iron Works – eine historische Werft für die Produktion von Kriegsschiffen im US-Bundesstaat Maine. Hier ist die Künstlerin über Monate hinweg in das ohrenbetäubende Getöse der Fertigungshallen eingetaucht. In diesen Maschinenräumen der Moderne hat sie die scheinbaren Banalitäten des Industriealltags unter die Lupe genommen. Das Ergebnis hat sie mittels einer komplexen fünfteiligen Arbeit aus zwei Filmen und drei Fotoserien dokumentiert. Erstmals ist diese nun unter dem Titel „Lunch Break“ in der Wiener Secession zu sehen.

„Lunch Break“ begreift den Produktionsprozess als Pausensitzung. Nicht dem schweißtreibenden Malochen während der Arbeitszeit gilt Lockharts Interesse. Die 44-jährige Künstlerin seziert die kleinen Intermezzi dazwischen. In ihrem, der…

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