Ausstellungen: Berlin · von Heinz Thiel · S. 154
Ausstellungen: Berlin , 1982

Shigeko Kubota: Videoskulpturen

Daad-Galerie Berlin,
Museum Folkwang Essen,
Kunsthaus Zürich (28.8.-3.10.)

„Übrigens sind es immer die anderen, die sterben“ – aus dieser Grabinschrift Marcel Duchamps hat die Japanerin Shigeko Kubota ein künstlerisches Programm gemacht. Sie hat den schon zu Lebzeiten durch die kunstgeschichtliche Verewigung unsterblichen Duchamps in fünf ‚Duchampiana‘-Video-Skulpturen nochmals in der zeitgenössischen Kunst verankert. „Einmal auf Videoband aufgenommen, steht es einem nicht mehr frei zu sterben“, hatte Nam June Paik, bezogen auf die Speicherkapazität des elektronischen Mediums, gefolgert. Für Shikego Kubota ist diese technische Form, Unsterblichkeit herzustellen, zum Auslöser geworden, mit Fragmenten westlicher Kultur und Zivilisation zur Zeitlosigkeit asiatischer Meditation vorzudringen. Die Videotapes von Kubota lassen vergangene Zeit für den Betrachter jederzeit wieder lebendig werden (und sie ebenfalls durch den vorgegebenen Sequenzrhythmus wieder abstrakt erscheinen), doch durch die Fassung in ein ’skulpturales Gehäuse‘ wird die technische Zeitlichkeit gleichzeitig wieder aufgehoben. Die TV-Boxen/Monitore, als Matrix für die Tapes, sind eingebettet in Skulpturen, die als reale Formen (Fenster, Doppelraum mit Tür, Treppe) ein Stück Kunstgeschichte nachbilden (vorgeprägt in den Werken von Duchamp) oder durch ihre abstrahierten Formen allgemeine Gültigkeit haben (Grabstelen, kubische Bergformen). Der skulpturale Mantel ist ein statisches Element und damit ein Element der Ruhe. Die Video-Sequenzen nähern sich dieser Ruhe ebenfalls an, weil sie dem Betrachter nur Bilder, nicht aber Hintergründe und Ursachen für diese Bilder vermitteln. Unser Ursache-Wirkung geschultes Denken wird durch die Folgenlosigkeit des Bildmaterials ad absurdum geführt. Die durch Syntheziser verfremdeten Sequenzen nähern sich der reinen Malerei. Technik wird in der Handhabung von Shigeko Kubota zum ‚art material‘,…

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