Titel: Pläne - Projekte - Perspektiven , 1990

Jürgen Raap

»Sicherung der Freiheit«

Zur Position des Deutschen Künstlerbundes

Sicherung der Freiheit – Vorrang der Qualität“ lauteten u.a. die Gründungsziele des 1903 geschaffenen Künstlerbundes. In ihren Jahresausstellungen sah die Musenjünger-Organisation immer eine „Chance für das Durchspielen neuer Ausstellungsmodelle“ (Siegfried Neuenhausen). In den letzten beiden Jahren machte der Künstlerbund allerdings eher durch personalpolitische Querelen bei der Besetzung von Vorstandsposten, flankiert durch „vereinsrechtliche Fehlleistungen“ (Katalogvorwort 1989), von sich reden. Bis zur Neuwahl des Vorstands am 11. November in Berlin ist die Hamburger Kunstprofessorin Verena Vernunft Vorsitzende.

Die kommende Jahresausstellung (ab 10. Nov.) steht deutlich unter gesamtdeutschen Aspekten. Präsentationsorte sind nämlich nicht nur die Akademie der Künste am Hanseatenweg, die Staatliche Kunsthalle und das Künstlerhaus Bethanien im Westteil der Stadt, sondern auch die Ost-Berliner Akademie der Künste der DDR im Marstall. Die DDR-Künstler stellen in der West-Akademie aus, die Räume im Künstlerhaus Bethanien sind für die „modernen Medien, wie Fotografien, Installationen und Videos vorgesehen“.

Das Ganze widersetzt sich bewußt dem deutsch-nationalen Einheitstaumel, der alle Ebenen von der Regierungsetage bis zur Sportarena erfaßt hat: „Mit dieser Konzeption will der Deutsche Künstlerbund zum Dialog herausfordern, eine Vereinnahmung von Künstlern und Kunst der DDR verhindern und sich zu zwei eigenständigen Entwicklungen bekennen.“

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J.R.: Fiel die Entscheidung, in die Jahresausstellung 1990 DDR-Künstler einzubeziehen, schon vor der Maueröffnung?

V.V.: Nein, zu diesem Zeitpunkt stand Berlin lediglich als Standort fest. Die DDR-Künstler nun in unsere kommende Jahresausstellung zu integrieren, ist unsere Reaktion auf die jüngsten Ereignisse.

Sie haben dabei bewußt West-Berlin als Ort für diesen Teil der Ausstellung gewählt?

Ja, wir werden in der Akademie der Künste…

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