Titel · von Sabine B. Vogel · S. 336
Titel ,

Singapur

Song-Ming Ang

Music for Everyone: Variations on a Theme
Kommissarin: Rosa Daniel, Geschäftsführerin National Arts Council (NAC)
Kuratorin: Michelle Ho
Ort: Arsenale

Der in Berlin lebende Song-Ming Ang (1980, Singapur) fand im Nationalarchiv in Singapur über 100 Plakate für Music For Everyone-Konzerte aus den 1970er und 1980er Jahren. Diese frühe Musikerziehungs-Initiative des Kulturministeriums ist Ausgangspunkt und Titel seines Beitrags für Venedig. Mit dem Programm sollte damals die westliche Klassische Musik bekannt gemacht werden, zur Stärkung der Identität des noch jungen Staates und zur Förderung des diplo matischen Austauschs. Singapur wurde 1963 unabhängig. 1964 kam es zu heftigen Unruhen zwischen den chinesischen und anderen Einwohnern, was zum Ausschluss des Stadtstaates aus der Förderation mit Malaysien führte. Das Programm war Ausdruck der Orientierung in den geopolitischen Westen.

Im Gegensatz zu diesem Staatsprojekt ist Song-Ming Ang bekannt für experimentelle Musik-Performances. So veranstaltete er 2007 in Singapur seine Guilty Parties mit Platten, die von den Besuchern mitgebracht wurden: Musik, die sie heimlich liebten, aber vor Freunden und Familie verbargen. 2011 fuhr er mit einer mobilen Karaoke-Anlage durch das Land und bat Menschen, spontan ihre Lieblingslieder laut vorzusingen. In Venedig greift er die frühe Staatsinitiative auf, allerdings nicht als von oben verordnete Erziehungsmethode, sondern als Anregung für Improvisationen. Für die 15-minütige 3-Kanal-Videoinstallation Recorder Rewrite arbeitete er mit 20 Kindern zusammen, die ihre eigenen Kompositionen auf merkwürdigen Flöten vortragen, die aus simplen Rohren gefertigt sind. Blockflöten seien im Zuge des britischen Kolonialismus fixer Bestandteil ihrer schulischen Musikausbildung gewesen, erklärt er in einem Interview für BerlinArtLink, es sei ein Instrument, dass…

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