Titel: Der urbane Blick · von Georg Aerni · S. 50
Titel: Der urbane Blick , 2012

Klaus Selle (Text) und Georg Aerni (Fotos)

Sondierungen zur Urbanität

Zu den Bedeutungsfacetten eines viel gebrauchten Wortes

Alle wollen Urbanität. So scheint es: Kaum ein Leitbild kommunaler Stadtentwicklung lässt die Urbanität aus. Viele Publikationen und Veranstaltungen handeln von der »Planung der Urbanität«1. Und auch die Werbung, insbesondere die der Immobilienwirtschaft, nutzt das U-Wort gern zur Vermarktung neuer Projekte. Aber was eigentlich ist gemeint? Gibt es bei aller Unschärfe, die dem Begriff offensichtlich anhaftet, so etwas wie einen Bedeutungskern von Urbanität? Dieser Frage gehen die Sondierungen nach.

»Urbanität« vs. »Rustikalität«

Die Suche2 nach dem Kern des Wortes beginnt zeitgemäß im Internet: 117’000 Nennungen erzeugt die Frage nach »Urbanität«, 1’570’000 nach »urbanity«. Überraschend ist: Sowohl die Bilder, die zu diesen Stichworten gezeigt werden, wie die Definitionen der Internet-Lexika haben wenig gemein mit den städtebaulichen Leitbildern und immobilienwirtschaftlichen Etiketten, über die so viel geschrieben wird. In der Wikipedia heißt es:

»Urbanität (lateinisch urbs: ›Stadt‹) umschreibt Ideale wie Bildung, Weltläufigkeit, feines Wesen und Höflichkeit. Ein Gegenbegriff ist die ›Rustikalität‹. Das zugehörige Adjektiv ist urban, dessen Gegenbegriffe sind ›rustikal‹, ›bäurisch‹ … Der Vorgang der ›Urbanisierung‹ bezeichnet dagegen die Verdichtung und Vergrößerung menschlicher Siedlungen.«

Die englische Ausgabe des Internetwörterbuchs weicht kaum ab:

»Urbanity refers to the characteristics, personality traits, and viewpoints associated with cities and urban areas. … In Latin the word referred originally to the view of the world from ancient Rome«.

Man wird davon ausgehen dürfen, dass diejenigen, die Urbanitäts-Leitbilder für die Stadtentwicklung beschließen, nicht davon ausgehen, dass es dabei vor allem um zivilisierte Umgangsformen und verfeinerten Geschmack gehe.

Sind also Zweifel an der…

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