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Magazin: Hochschulen & Akademien · S. 328 - 327
Magazin: Hochschulen & Akademien , 1988

Jürgen Raap
Stadtflucht der Avantgarde?

5 Jahre Vennakademie in Stolberg

Früher sind die kunstinteressierten Ärzte oder Anwälte hier aus Düren immer nach Köln oder Aachen gefahren“, erzählt Lutz Rohs, der dort gegenüber dem Leopold-Hoesch-Museum die Galerie „Treppe“ betreibt. Inzwischen jedoch wende sich das Interesse des heimischen Publikums verstärkt der lokalen Scene zwischen Dünen und Stolberg zu. Selbstbewußt behauptet auch Rohsens Kollege Win Braun, in den großen Städten sei der Kunstbetrieb so sehr verkrustet, daß man eher in der Kulturprovinz auf junge, frische Avantgardekunst stoßen könne. Mag sein, daß man sich hier am dritten Aufguß der „Neuen Wilden“ noch nicht satt gesehen hat, und daß die kommunalen Kulturförderer sich aufgeschlossener gebärden, wo sie eine Chance zur Profilierung gegenüber der großstädtischen Konkurrenz wittern. In Bayern waren schon vor einigen Jahren ähnliche Tendenzen spürbar, als Harmes Clerico Studenten der Düsseldorfer Kunstakademie Gelegenheit bot, sich im verschlafenen Rosenheim auszutoben.

Vor fünf Jahren fing Win Braun an, einen ehemaligen Kuhstall zu einer Produzentengalerie auszubauen, die sich mit ironischem Euphemismus „Vennakademie“ nennt. Daß etwa der Düsseldorfer Aktionskünstler Horst Gläsker hier seine Performances antestet, ist durchaus stimmig. Denn am New Yorker Broadway hatte noch nie ein Stück Premiere, das vorher in Des Moines/Iowa durchgefallen war. Und das Aachener Kulturleben nährt sich nicht nur durch die Aktivitäten des Ehepaares Ludwig, sondern auch vom Futter aus dem Hinterland des Hohen Venns, wo der Beuys-Schiller Herbert Klär die „Ignoranten“ im Publikum in einen „Fettkessel“ treten ließ.

Zum fünfjährigen Jubiläum haben Braun und Rohs gemeinsam eine Ausstellung in der städtischen „Burg-Galerie“ von Stolberg organisiert. Dort…


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