Titel: Kunst und Wissenschaft , 1986

Gislind Nabakowski

Symmetrie – Asymmetrie

Symmetrie in Kunst, Natur und Wissenschaft
Mathildenhöhe Darmstadt 1.6.-24.8.86

Eine Großveranstaltung auf der »Mathildenhöhe« in Darmstadt, realisiert mit viel Aufwand, ist, so Bernd Krimmel. Direktor der Ausstellungshallen und zugleich Kulturreferent der Stadt, »seit 1907 die aufwendigste Schau«, die dort je zu sehen war: »Symmetrie in Kunst, Natur und Wissenschaft«. Stadt, Land und Bund, die Deutsche Forschungsgesellschaft und ein Institut, das physikalische Grundlagenforschung betreibt, haben zur Realisierung beinahe drei Millionen Mark aufgewendet. Gesucht und gefahndet hat man dabei – in 480 Gemälden, Plastiken, wissenschaftlichen Modellen, in Literatur und Musik, Experimenten und Spielen nach einem »allgemeingültigen, universellen Prinzip«. Vor etwa eineinhalb Jahren war das schwer kopflastige Vorhaben als »interdisziplinäre Zusammenarbeit« zwischen dem Ausstellungsinstitut der Stadt und der TH angekündigt worden. Über Projekt- und Arbeitsgruppen waren neben Natur- auch Geisteswissenschaftler und Kunstexperten beteiligt. Es sollte um »Entgrenzung zwischen den Disziplinen« gehen.

Im Laufe der Zeit aber haben sich die Gruppen – die sich verständlicherweise gar nicht einfach auf gleiche Begriffe einigen konnten – mehr und mehr an Budget- und Raumfragen auseinanderdividiert. So geriet schließlich die Mammutschau zu einem – wenngleich auch in weiten Passagen geistreichen und inspirierenden – Nebeneinander. Hatte man sich zuviel vorgenommen oder war es einfach auch hinderlich, daß »Symmetrie« schließlich auch ein Allerweltsproblem ist? Autos sind symmetrisch, Küchengeräte sind es. Eier, Bügeleisen, Flugzeuge, auch faschistische Architektur, wie beinahe jede andere Herrschaftsarchitektur, auch Bomben sind symmetrisch, Raketen und Atomkraftwerke. Was ist nicht symmetrisch? So war die Gefahr, daß eine »Symmetriephobie« ausbrechen konnte, immer auch mit gegeben. Bei allerlei Abgrenzungsmethoden und…

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