Titel: Kunst und Wissenschaft , 1986

Klaus Wolbert

Symmetrien als Sprachformen der Kunst

Die Symmetrie im menschlichen Weltverhältnis

In der ersten Frühe der Bewußtseinsgeschichte, als der Mensch mit erwachtem Erkenntnisvermögen die Augen aufschlug und der äußeren Welt mit eigenen inneren Weltentwürfen Antwort gab, da formierte er sein Verhältnis zur Schöpfung in symmetrischer Gestalt. In jener mythischen Morgenröte, als im Menschen die Kraft der Subjektivität sich keimhaft regte und der fremden Allmacht des Objektiven entgegentrat, entstand in einem Akt der Spiegelung die Kunst. Damit rückte die artifizielle zweite Natur des Menschen ab von der kreatürlichen ersten Natur. Obwohl selbst Geschöpf unter Geschöpfen und in seinem körperlichen Sein ganz und gar naturhaften Bedingungen unterworfen, gelang es dem Menschen zumindest teilweise, sich dieser Gebundenheit zu entheben und eine polare geistige Welt aufzubauen. Allein in der beziehungsvollen Balance, die zwischen dem Unerklärlichen draußen und den imaginären Deutungen von innen aufrechtgehalten wurde, stabilisierte sich die mythische menschliche Existenz.

Der weitere Fortgang des Prozesses, oft als Weg vom Mythos zum Logos, oder in der weiteren Folge als Durchsetzung der totalen Subjektivität beschrieben, trug die Gefahr des Ungleichgewichts in sich: Die völlige Entzweiung des Menschen von der Natur! Die Unterdrückung des naturhaften Anteils im Menschen selbst wurde spätestens in der abendländischen Zivilisationsgeschichte akut.

Allein in der Kunst war die Möglichkeit der Versöhnung angelegt, die nachdenklichsten Überlegungen der klassischen und romantischen Philosophie wie Kunsttheorie galten dem Thema einer neuen, utopischen Ganzheit, der Einbindung des Menschen in die Universalität des Kosmos. Die Kunst Caspar David Friedrichs ( 1774-1840) und Philipp Otto Runges ( 1777-1810) gibt dies in mehrschichtigerweise wieder, wobei…

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