Gespräche mit Kunstvermittlern , 1997

»Tatsächlich war es wie ein Rausch, und nun ist Trockenheit angesagt«

Helga Meister sprach mit Veit Loers, dem Direktor des Städtischen Museums Abteiberg in Mönchengladbach

Veit Loers (54) ist nicht zu beneiden. Er muß im Museum Abteiberg den Nachlaß-Verwalter spielen. Im postmodernen Parade-Bau des Hans Hollein ist zwar alles für die Kunst aufs feinste bereitet, aber die Sammlung Marx hat bei ihrem Abtransport nach Berlin leere Wände hinterlassen. Auch der Abzug einiger Werke aus der Sammlung Onnasch in den Neubau der Kunsthalle in Hamburg hat dem Städtischen Museum in Mönchengladbach wichtige Großformate genommen. Das Museum ist fast ausgeblutet. Sammler wie Hoffmann, aber auch der junge Lühl haben die Stadt gleich ausgespart.

*

H. M.: Wie geht es weiter, Herr Loers. Wie wollen Sie den Dornröschenschlaf des Hauses beenden, bei minimalen Mitteln und fast leeren Räumen? Ihr Kampf um „Unschlitt/Tallow“ von Beuys erinnerte an das letzte Gefecht eines Untergehenden. Sie haben sich dabei zwischen alle Stühle gesetzt, haben hoch gepokert und verloren.

V. L.: Wieso gepokert?

Sie attackierten im Verbund mit Ihrem Stadtdirektor den Sammler, der doch lediglich einen befristeten Leihvertrag geschlossen hat. Wer wird Ihnen jetzt noch etwas leihen? Geblieben ist ein Scherbenhaufen.

Als neuer Direktor des Museums versucht man zu kämpfen, das hat man von mir erwartet. Es gab immer wieder Hoffnungsschimmer.Ich habe nichts gegen den Sammler Marx und seinen Kurator Bastian. Ich habe nie die Rechtmäßigkeit der Ansprüche in Frage gestellt. Die anderen Werke, rund 40 große, bedeutende Arbeiten, sind stillschweigend zurückgegeben worden. Es ging nur um „Unschlitt“, weil es von Beuys selbst arrangiert worden…

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von Helga Meister

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