Ausstellungen: Köln , 1987

Renate Puvogel

Teresa Gejer

Galerie van Aken, Köln 20.3.-25.4.1987

Bereits vor knapp zehn Jahren kündigte sich in Tusche- und Kohlezeichnungen das Vokabular der heute in der Galerie van Aken ausgestellten großen Leinwandbilder an: ein Berg, eine Hügelkette, eine der runden Kuppe eingeschriebene, kantige Treppe. Die 1948 in Buenos Aires geborene israelische Künstlerin nannte diese mit Landschaftsandeutungen angereicherten, atmosphärischen Zeichnungen »Backbones«. »Meine Arbeit ist die Suche nach meinem Rückgrat«, erklärt die Künstlerin den Titel. Rückgrat also nicht nur formal gemeint in dem hart gegen den schwarzen Hintergrund gesetzten Kontur der erdigen Formation, sondern auch als moralische Standfestigkeit.

Die bald 40jährige zartgliedrige Künstlerin wählt auch im Leben den mühsamen Weg harter Konfrontation, sie wohnt in Jerusalem und New York und umkreist in wechselnden Medien anhand weniger Metaphern zentrale Themen, die sich in Antinomien kundtun, wie Gebären und Sterben, Organisches und Architektonisches, Intuition und Konstruktion. Wäre die charakterliche Standfestigkeit an der künstlerischen Form abzulesen, dann hätte Gejer an geistigem Format und Entschiedenheit wie diese zugenommen, ohne dabei an Sensibilität eingebüßt zu haben.

Die erste, mit dem Bleistift angelegte Umrißlinie entscheidet bereits über die Gestalt der einen konzentrierten Form innerhalb des Umfeldes, trennt Vorder- vom Hintergrund, Ding vom Nicht-Ding. Die Künstlerin bedeckt die einprägsame Figur auf der leicht angefeuchteten, am Boden liegenden, ungespannten Leinwand und fixiert sie nachträglich. Durch Verreiben der Erden und Knüllen und Knautschen der Leinwand gewinnen diese braunen Stoffe eine lebendige Struktur und fast haptische Materialität. Ohne jede illusionistische Hilfestellungen – die Treppe ist eine Zickzacklinie, der Baum ein sich verjüngendes, bizarres Gestänge, der Berg lediglich…

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