Titel: Kunst der Fiktion der Kunst · von Ricoh Gerbl · S. 130
Titel: Kunst der Fiktion der Kunst , 2010

Ricoh Gerbl

Den Literaten mag sie suspekt sein, weil sie auch Künstlerin ist. Die Künstlerkollegen erscheint sie fragwürdig, weil sie nicht nur auf dem originären Feld der Kunst reüssiert, sondern auch auf einem anderen. Ricoh Gerbl ist tatsächlich Bildende Künstlerin und Autorin. Das eine Feld allerdings beeinflusst das andere. Das lässt sich im wahrsten Sinne des Wortes in ihren Texte nachlesen. Da gibt es einen spezifischen Umgang mit der Dingwelt, der einen einerseits an die Technik des Nouveau Roman erinnert. Andererseits ergibt sich dann auch tatsächlich eine direkte Verknüpfung mit den plastischen Arbeiten im Zyklus der sogenannten ‚Wohnungspfropfung‘. „In der bildenden Kunst ist bei mir ein zentrales Thema die Pfropfung. Im Pflanzenbau beschreibt der Begriff das Verfahren einer Kultivierung, in dem Disparates ineinander gesteckt wird, um Pflanzen zu veredeln. Dies ist ein „natürliches“ Verfahren im Gegensatz zur Genmanipulation, in der Differenz eingeebnet wird.“ Und selbst diese Wohnungspfropfungen bedienen sich dann wiederum im weitesten Sinne literarischer Techniken. „In meinen künstlerischen Arbeiten verwende ich den Begriff in einem anderen Zusammenhang, im Bereich von zwischenmenschlichen Verhaltensweisen. Entweder stelle ich Situationen her, oder ich fotografiere in Szene gesetzte Momente, in denen ein Übergriff oder eine Veredelung, oder auch beides stattfindet.“

So sitzt Ricoh Gerbl auch sprichwörtlich zwischen den Stühlen. Im Interview mit Barbara Buchmaier erzählt sie: „Zur bildenden Kunst bin ich über eine Lüge gekommen. Ich hatte den Wunsch, in einem großen leeren Raum zu leben. Ich wusste, dass Künstler in solchen Räumen lebten und bewarb mich auf eine Anzeige für einen 60?qm-Raum in einer Ateliergemeinschaft….

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