Ausstellungen: London · von Edgar Schmitz · S. 405
Ausstellungen: London , 2007

Edgar Schmitz

The Politics of Fear

»Projektionsflächen«

Albion Gallery, 27.3. – Ende Mai 2007

Die Ausstellung schlägt so etwas wie einen Überblick über eine gegenwärtige Atmosphäre vor, in der sich kulturelle wie politische Spannungen und Bedrohungen als ausgreifende Angstphänomene verstehen und also auch zeigen lassen. (Reza Arameshs mit Skimasken vermummte Anzugmänner aus dem Nahen Osten, die auf einem (Kunst-)Flohmarkt Palmen verkaufen oder im großbürgerlichen Wohnzimmer mit entkleideter Frau im Hintergrund posieren, reizen diese Atmosphäre in ironischen Sittengemälden aus, in denen sich Vertrautes und Befremdliches unheimlich zu den Spielarten heutiger Neo-Orientalismen verquicken.)

Viele dieser Phänomene sind in der Ausstellung auf die Dynamik von Missverständnissen zurückgeführt und darauf, wie in der gegenwärtigen geopolitischen Paranoia angeblich unvermittelbare Erfahrungsregister und Kulturnormen aufeinanderprallen. In Kader Attia’s Sugar and Oil ist das fast diagrammatisch greifbar: auf einen Kubus aus Zuckerwürfeln wird soviel Öl geschüttet, dass das ganze Gebilde als schwarzer Brei in sich zusammensackt (ziemlich sofort sogar, denkt man gar nicht dass das so schnell gehen könnte). Was als minimalistisches Zitat anfängt, endet als biomorphe Masse und ist nur zwischendurch mal ganz kurz fast auch so etwas wie die Kabaa in Mekkha. Die metaphorische wie auch physische Zersetzung betrifft sowohl die Kunst als auch die ihr angehängten symbolischen Systeme sowie die ökonomischen Zusammenhänge, auf die sie mit Zucker und vor allem Öl natürlich auch verweisen.

(Am didaktischen Pol der Ausstellung stehen dem Rashid Rana’s Fotopuzzelbilder verschleierter Frauenköpfe gegenüber, die sich aus winzigen Pornofragmenten zusammensetzen und Unverständlichkeit auf das Klischee eines Zivilisationszusammenpralls herunterkarrikieren.)

Das merkwürdige an der Ausstellung ist nicht die brennende Thematik oder…

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