Ausstellungen: Hannover , 2001

Michael Stoeber

Thomas Demand

Sprengel Museum Hannover, 6.6. – 2.9.2001

Nietzsche setzt im „Willen zur Macht“ die Kunst mit Betrug gleich. Das ist nicht so neu. Eine ähnliche Auffassung findet sich schon bei Platon und Aristoteles. Sie sehen im Dichter den Lügner, der den Leser an der Erkenntnis der Wahrheit hindert. Deshalb ist in Platons Staat auch kein Platz für ihn. Nietzsche allerdings schlussfolgert ganz anders. Im Widerstreit zwischen Philosophie und Kunst feiert er die Kunst als Erlöserin von der Erkenntnis. Für ihn sind die Fiktionen der Kunst der Wirklichkeit des Lebens überlegen. Leben lässt sich nach Nietzsche nur in der erdichteten, nicht in der wirklichen Welt. Die Lüge der Kunst repräsentiert eine höhere Art von Wahrheit. Diese Dialektik von Sein und Schein, von Lüge und Wahrheit kommt unweigerlich in den Sinn, wo der Blick auf die Fotografien von Thomas Demand fällt. Er hat es wie kein anderer Künstler verstanden, das fotografische Medium, dem quasi als Geburtsrecht das Prädikat der Authentizität anhaftet, in ein schillerndes Licht zu rücken. Das selbstgewisse „So ist es gewesen“, von dem Roland Barthes noch im Zusammenhang mit der Fotografie spricht, weicht Demand nicht, wie es längst üblich geworden ist, durch den Einsatz digitaler Techniken auf, sondern indem er die Wirklichkeit vor der Kamera „fiktionalisiert“.

Der Hebammenhelfer dieser aufregenden Fotografie ist wie so oft der Zufall. Thomas Demand, 1964 in München geboren und heute in Berlin lebend, studiert anfangs bei Fritz Schwegler in Düsseldorf Bildhauerei. Als er seine Skulpturen und skulpturalen Modelle nicht mehr unterzubringen weiß, fotografiert er sie, bevor…

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von Michael Stoeber

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