Ausstellungen: Bonn , 2011

Alexander Braun

Thomas Rentmeister

»Objects. Food. Rooms.«

Kunstmuseum Bonn, 20.10.2011 – 5.2.2012

Thomas Rentmeisters Ausstellung mit retrospektiven Zügen (frühe Zeichnungen aus den späten 1980er-Jahren sind hier zum ersten Mal überhaupt zu sehen) beginnt für den Besucher mit zwei Paukenschlägen: der speziell für Bonn entstandenen Rauminstallation „Muda“ (das jap. Wort für „Verschwendung“) und im benachbarten Raum den beiden ebenfalls in situ entstandenen Monumentalgemälden von elf bzw. zwölf Metern Länge „ohne Titel“. Alle Arbeiten rufen für Rentmeister mittlerweile vertrautes, für den Kunstbetrieb immer noch eher gewöhnungsbedürftiges Arbeitsmaterial auf: Kühlschränke, Hygieneartikel, Q-Tips, Tampons, Tempo-Taschentücher, Styropor, Steckdosenleisten, Mehl, Zucker, Spülmaschinen-Tabs etc. pp., Penaten-Creme und Nutella! So weit, so vertraut, so befremdlich. Und doch ist in Bonn alles etwas anders. Geradezu handstreichartig und durchaus unerwartet für den geübten Rentmeister-Aficionado tritt der Künstler den Beweis an, dass die Mentalität des „Think big“ eine Werkidee nicht zwingend dem Verdacht der Hybris aussetzen muss, sondern ihr im Gegenteil eine neue, vertiefende Dimension verleihen kann. Die Idee des Häufens von Material war schon immer ein zentraler Gedanke bei Rentmeister mit denkbar diametralen Ergebnissen. Während er Tempo-Taschentücher (mit und ohne Folienumhüllung) oder Zuckerwürfel gerne in die Form von Kuben – im präzisen geometrischen Verständnis der Minimal-Art – fügte, waren seine Ansammlungen von weißen Materialien stets mehr oder weniger wilde Anhäufungen. Formal dem Zwang unterworfen, nicht farbig sein zu dürfen, folgten sie in ihrer Erstreckung im Raum eher den Gesetzen des Zufalls: zu gleichen Teilen Manifestationen der Ordnung (= Weiß) und des Chaos (= gehäuft, geschüttet, verrutscht und liegen geblieben). Der Betrachter sah sich diesen…

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von Alexander Braun

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