Ausstellungen: Berlin · von Peter Herbstreuth · S. 379
Ausstellungen: Berlin , 1997

Peter Herbstreuth

Thomas Schulz

»The European Sculpture«

Hamburger Bahnhof, Berlin, 27.3. – 19.4.1997

Der Projektraum des Hamburger Bahnhof wird für Konzerte, Vorträge, nichtmuseale Ausstellungen genutzt und an Unternehmen für Bankettveranstaltungen vermietet. Es ist ein vielfältig verwendbares Vorzimmer zur Stille des Museums in Hörweite des Cafés. Zur Eröffnungsrede von Thomas Schulz über seine Idee der europäischen Skulptur mischten sich die Klapper- und Plaudergeräusche aus dem Café mit der leisen, gebrochenen, um Verständnis bemühten Stimme des Redners. Der Vorstellungsraum Europa geriet zum Stimmengewirr und Geräuschwirrwarr. „Ich verstehe die Sprache nicht. Ich höre nur ihren Klang“, kommentierte Laurie Anderson einst ein Phänomen solcher Art. Man vernahm das Raunen möglicher Bedeutungen. Offenbar hat dies Methode.

Seit 1989, als mit Rave, Techno, House das große Sampling begann, beschäftigt sich Thomas Schulz mit bildlichen und akustischen Darstellungen des Klangraums Europa, war eineinhalb Jahre als Dokumentarist bei der EU in Brüssel akkreditiert, bekam ein 30.000 Mark Stipendium für sein Projekt, hat für verschiedene Sender Hörstücke produziert, gab vor zwei Jahren ein Interview zur „European Sculpture“, veröffentlichte Reden und Sprachsplitter, richtete in Cottbus eine Mikrophonie ein, aber die Vorstellung seiner Skulptur blieb ein versprengt versprengendes Lautgebilde, das bisweilen von Baustellenfotos begleitet wurde und sich unter den totalisierenden Begriffen „Europa“ und „Skulptur“ einen Schutzschirm suchte. Wer den sporadischen Auftritten dieses work in progress folgte, lernte zu verstehen, daß dem Werk erkenntniskritisch kaum beizukommen ist, was durch den werkbegleitenden Interpreten Wolfgang Siano kongenial gefördert wird. „Der Schnitt durch die Rückkopplung spaltet die Wege; auf der Zeitachse einer transitorischen Präsenz asynchroner Verdopplungen, deren Quantensprünge sich zu…

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