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Ausstellungen: München · S. 342 - 343
Ausstellungen: München , 1989

Heinz Schütz
Tonight

Performance – Veranstaltungen

Idealtypische Geschichtskonstruktion charakterisiert die Kunst der siebziger Jahre als implizite bzw. explizite Kritik der Malerei, die Kunst der frühen achtziger Jahre als Wiederkehr der Bilder. Mit ihr – so scheint es zumindest – ist die Performance untergegangen. Daß dem nicht so ist beweisen Veranstaltungen wie „Tonight“.

An drei Abenden stellte „Tonight“ Münchner Performance-Künstler und -Künstlerinnen vor – Bill Olson / Laar Alström / Roland Spolander und Boris Nieslony kamen als auswärtige Gäste hinzu. Das Auftreten einer jüngeren Generation von Performern belegte zum einen, daß Performance als Kunstgattung durchaus tradiert wird, zum anderen stellte sich ein gewisser deja-vu-Effekt ein, hinter dem neue Ansätze mehr oder weniger deutlich in Erscheinung traten. Wilhelm Kochs Reifenkonzert erinnerte an Klangaktionen der sechziger Jahre, auch wenn bei ihm der Ausgangspunkt des Plastikers unverkennbar ist: Mit Hilfe von Druckluft und Orgelpfeifen gelingt es ihm, Gummischläuche in organische Wesen zu verwandeln, die sich tönend erheben, um dann ihr Leben auszuatmen. Holger Dreißigs „Kunstzuwachs“ findet seine Vorfahren im Wiener Aktionismus, doch setzt sein ironisch manierierter Ästhetizismus nicht auf das äußerliche Ritual, sondern begibt sich zwischen Traum und Wirklichkeit, blutig-religiösem Pseudo-Opfer und Schönheitskult gezielt auf den Rückzug nach Innen. Vor dem Hintergrund der expansiven Verwendung des Materials, der man auf andere Weise – d.h. hier: sich in der Fülle verselbständigend – bei Angelika Thomas begegnete – erschienen Christian Gürtlers „Zeit“ und Lorenzas „Guten Morgen“ als puristisch. Der kurze Auftritt Rabe Perplexums erschöpfte sich rasch im Kuriosen, die Gruppe 88 verließ den Boden der Performance und näherte…


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