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Magazin: Bücher · von Hans-Dieter Fronz · S. 403 - 402
Magazin: Bücher , 2004

Topologie der Kunst

Dass unsere visuelle Erfahrung zum guten Teil eine Bilderfahrung ist, wird nur der missverstehen, der einen klassisch überholten Bildbegriff pflegt. Denn Bilder bevölkern längst nicht mehr nur Museen und Bücher, sondern Kinoleinwände und Bildschirme, Computermonitore und die Straßen der Städte, die sich mehr und mehr in gigantische Werbeflächen verwandeln. Dem Verlust des Bildmonopols der Kunst weint der an der Karlsruher Hochschule für Gestaltung lehrende Philosoph und Medientheoretiker Boris Groys keine nostalgische Träne nach. Vielmehr sieht er seine Aufgabe darin, das Feld heutiger Bildwelten nüchtern zu vermessen.

Gleichwohl ist Groys zu sehr Kunstfreund, als dass sein Interesse nicht letztlich doch vorzugsweise der Kunst gälte – und seine Reflexionen zum Thema auf eine medienkritische Apologie des Museums und Verteidigung sperriger Kunst hinausliefen. „Die heutige Kunst“, bemerkt er sarkastisch, „braucht keine Hermeneutik – diese stört nur, weil sie im Ruf steht, die Kunst schwieriger, unzugänglicher und anspruchsvoller zu machen, als sie es eigentlich sein soll. Statt dessen braucht die heutige Kunst allein die Konsumenten, deren hermeneutisches Vermögen gegen Null tendiert.“

„Topologie der Kunst“ heißt sein neues Buch, dem die Sätze entnommen sind. Was ihm mediale Aufmerksamkeit sichert, dürften gewiss in erster Linie genialische Thesen und Spreng-Sätze der Art sein, mit der Groys die etablierte Kunstdeutung aufzuschrecken pflegt (und deren vermeintliche Exotik in der gedanklich und historisch tief schürfenden Explikation merklich zusammenschrumpft) wie: Das Kapital als größter Künstler unserer Zeit! Der Künstler als „Geldheiliger“ und vorbildlicher Konsument! Osama bin Laden ein Videokünstler! Was die Lektüre indes vor allem lohnend macht, sind vorzügliche Beobachtungen, etwa…

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von Hans-Dieter Fronz

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