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Ausstellungen: Wien · von Christian Kravagna · S. 396 - 397
Ausstellungen: Wien , 1999

Christian Kravagna
translocation

»(new) media/ art«
Generali Foundation, Wien, 27.1. – 11.4.1999

Im Augenblick, in dem ich diese Zeilen schreibe, weiß niemand, was in Jugoslawien sein wird, wenn Sie diese Zeilen lesen. Es ist schon eine sehr bedrückende Aktualität, die translocation durch den Angriff der “westlichen Wertegemeinschaft” auf Jugoslawien zusätzlich erwachsen ist. Gerade noch waren Vertreterinnen der unabhängigen Belgrader Medienszene beim translocation Symposium in Wien. Katarina Zivanovic und Vesna Manojlovic berichteten von den Aktivitäten des oppositionellen Radiosenders B92, von ANEM, dem Netzwerk der unabhängigen Radiostationen, von Cinema Rex und OpenNet, die alle wichtigen Anteil an der jugoslawischen Demokratiebewegung und Kulturszene haben. Mittlerweile ist z. B. die Ausstrahlung von B92 als Reaktion auf die NATO-Bombardements wieder verboten. Der Sender aktivierte daraufhin eine bereits während früherer Zensurierung erprobte translokale Nachrichtenverbreitung. Über Internet nach London geschicktes Material wird über BBC nach Mittel- und Osteuropa “zurückgesendet,” was auch uns Westlern Zugang zu Berichten ermöglicht, die weder der jugoslawischen Regierungspropaganda noch jener der NATO entsprechen.

Strategien wie diese, wo auch die Kommunikation mit der unmittelbaren Nachbarschaft über transnationale Wege verläuft, sind paradigmatisch für Beziehungsgefüge kultureller Praktiken im Spannungsfeld von lokalen Determinationen und globalen Umbrüchen, denen die Ausstellung mit einem speziellen Fokus auf Länder des ehemaligen “Ostens” nachzugehen sucht. Die Ausstellung selbst ist Teil einer größeren Projektreihe, die von den Zeitschriften springerin (Wien), Magazyn Sztuki (Danzig/Warschau) und Detail (Prag) organisiert wurde, um “in lokal programmierten Veranstaltungen Fragen der Neuen Medien(kunst), der Überwindung alter und Entstehung neuer ideologischer wie sozialer Grenzen” zur Diskussion zu stellen. Was zunächst auffällt, wenn man…



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von Christian Kravagna

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