Titel: Tropical Codes , 1987

Tricia Collins und Richard Milazzo

Tropical Codes – Neue Kunst aus New York

Einerseits hat der Diskurs über Kunst als Massenware und dessen beständiges Prinzip des hemmungslosen Konsums das Ende des Jahrhunderts wie eine posthume Grenze erfaßt. Der Diskurs übernimmt oder besser verleibt sich alle vorhergehenden diachronischen Bewegungen, Phasen und historischen Momente als synchronische Kulturinstrumente, als Hilfsmittel ein, um sein eigenes Schicksal zu vollziehen. Er begreift sich selbst als de trop – als obszöne, existentielle Überflüssigkeit. Andererseits verkündet der Diskurs über die Verarmung und Unmittelbarkeit, der jetzt seit gut einem Jahr in New York läuft, daß nicht Ironie und Vermittlung, sondern Notwendigkeit, Vergänglichkeit und die Überflüssigkeit der Existenz selbst es sind, die die Ansprüche von Ursprünglichkeit, Natur und Heimatlosigkeit bestimmen. Diese neue Kunst redimensionalisiert sich selbst und sogar die Konzeptualilät gemäß dem Diktat des Ursächlichen, Unvermittelten, und zwar auch im Rahmen einer Rekonzeptualisierung der Wertedimensionen. Und während (im neuen Diskurs) der Bezug zum Gesellschaftlichen (Merkmal des Diskurses über Kunst als Ware) unterschieden wird von der Wirklichkeit der Objekte in der Welt, läßt sich die Wirklichkeit des Wertes nicht auf Objektwerte reduzieren.

I. De Trop

– In New York kann man seit geraumer Zeit nicht nur eine veränderte Struktur der Wahrnehmung, sondern auch eine andere Einstellung zur Wahrnehmung erkennen.

– Im Zusammenhang mit der veränderten Struktur der Wahrnehmung muß auch die Abwendung vom Neoexpressionismus hin zu neuen, konzeptuelleren Hybridformen gesehen werden.

– Etwa ab 1979 bis 1984 war der Neoexpressionismus sowohl in Europa als auch in den USA die vorherrschende Kunstform gewesen. Künstler wie Rainer Fetting, Enzo…

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