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Titel: Künstlerpaare · S. 244 - 244
Titel: Künstlerpaare , 1990

Ulay

Die Beziehung zwischen Mann und Frau, ein Universum, ein Drang des Instinkts, primitiv und so komplex. Material für Studien, Experiment, Vertrauen, Liebe, Haß, Arbeit. Sie ist vielleicht eines der schwierigsten Arbeitsverhältnisse überhaupt.

Dies war unser selbstinszeniertes Laboratorium. Beide Künstler und beide einsichtig genug, um schnell zu verstehen, daß wir uns ergänzen können. Ein seltener Moment für zwei Künstler, glaube ich, umso mehr als wir nicht nur ein Arbeitsverhältnis hatten, sondern auch zusammen lebten und daraus eine Sprache entwickelt haben. Heute glaube ich, daß unsere „Ehe“ dazu führte, daß wir uns mehr und mehr miteinander identifizierten, zuächst wie gute Partner, dann wie Liebende, dann Bruder und Schwester und schließlich als Hermaphrodit. Anima und Animus sind ein gewolltes Auswechselspiel. Diese Ideologie machte die Zusammenarbeit nur möglich.

Zum Beispiel: In der physisch-mentalen Konstruktion der Performance gelang es uns, uns zum Objekt zu machen, zum „objet vivant“, wobei wir uns wie ein Guß in eine Form einließen, die Form unserer Vorstellung, die Vorstellung des Verhältnisses zwischen uns, um uns. Wie ein 2-Komponenten-Kleber.

Eine Ideologie der Synthese, die ihre Begründung mehr als in alltäglichen Klischees in der esoterischen Schule findet. Wir entnahmen sie einem anderen Aspekt der Realität. Zurückgeführt und angewendet im Bereich der alltäglichen, physischen Welt bedeutete dies mitunter eine schmerzliche Erfahrung. Schmerz, wie wir lernten, ist direkt verbunden mit Zeit, oder besser, Zeit ist proportioniert am Schmerz. Aber mehr als am Schmerz zu leiden haben wir gelernt, ihn zum Objekt zu machen. Damit haben wir seine Kraft und Energie versetzt, sodaß die Stärke des Schmerzes eine…

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