Magazin: Messen & Märkte , 1996

INGO AREND

Umbau und Öffnung statt Abgrenzung

STREIT UM EUROPAS GRÖSSTE KUNSTMESSE: DIE ART COLOGNE ALS MARKTPARADIGMA

Alles Gigantische führt ins Chaos. Auch die Dinosaurier waren sehr groß, bevor sie ausstarben.“ Was der Kölner Galerist Winfried Reckermann im öffentlichen Streit vor dem von ihm mitbegründeten 29. Kölner Kunstmarkt „Art Cologne“ äußerte, scheint nicht allzuweit hergeholt. Mit inzwischen 349 Galerien und 27.000 Kunstwerken auf den 42.000 Quadratmetern hat der gleichermaßen legendäre wie traditionsreiche Markt in den Kölner Messehallen eine Größe erreicht, die schon physisch nur noch schwer zu bewältigen ist, es sei denn, man ist wandergestählt oder schnallt sich Skateboards unter die Füße. Und der Drang zu Europas angeblich wichtigster Kunstmesse ist ungebremst. 110 ausstellungswillige Galerien mußten dieses Jahr abgewiesen werden.

Der Vorwurf „Zumutung“, mit dem der Kölner Ex-Star-Galerist Rudolf Zwirner, ebenfalls Mitbegründer der Messe, zu ihrem Beginn einen öffentlichen Eklat provoziert hatte, darf man nicht als demokratischen Aufstand gegen die autokratische Führung des Bundesverbandes der Galerien und seinen Vorsitzenden Gerhard Reinz deuten, der die Art ausrichtet. Obwohl er in diesem Jahr seine teilnehmenden Mitglieder erstmals zu der kostspieligen Übung zwang, auf einer auf neun Öffnungstage verlängerten Messe präsent zu bleiben. Ein bißchen Theaterdonner war auch dabei. Denn Zwirner stritt mit dem Galeristenverband um die – inzwischen entschiedene – Zukunft von dessen Zentralarchiv für den deutschen Kunsthandel in Bonn und sah zum Auftakt der Art die Chance auf au-ßergewöhnliche Resonanz. Hinter der bezweifelbaren Galeristensorge, daß im unüberschaubaren Getümmel des Kölner Megahappenings die wirklich kaufkräftigen Sammler ausbleiben, wie hinter der umstrittenen Entscheidung des Galeristenverbandes, die Messe…

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