Gespräche mit Künstlern · von Peter Herbstreuth · S. 318
Gespräche mit Künstlern , 1997

Eva & Adele

Unser Lächeln ist ein Werk

Ein Gespräch von Peter Herbstreuth

Eva & Adele sind Ende der achtziger Jahre erstmals in Erscheinung getreten. Im Sommer 1988 wurde das erste Bild von ihnen veröffentlicht. Seither sind sie Bewohner des Medienraums und werden bei Kunstveranstaltungen gesehen. Marcel Duchamps Frage: „Kann man Werke schaffen, die keine Kunst sind?“ beantworten sie mit ihrem gemeinsamen Leben. Angaben zur Biographie beschränken sie auf ihre Körpermaße (Eva: 176/101/ 81/96; Adele: 161/86/68/96).

Bislang spielten sie im Kunstdiskurs keine Rolle. Wenn Autoren über die Kunst der Gegenwart schreiben, dann werden Eva & Adele nicht einbezogen. Ihr Werk ist ihre Erscheinung, so wie man sie medialisiert oder auf großen Ausstellungen antrifft, vornehmlich in Berlin, wo sie wohnen. Im Frühling 1991 beteiligten sie sich erstmals bei einer Ausstellung mit einem Werk, das unabhängig von ihrer körperlichen Präsenz existiert und von ihnen als Beitrag aufgestellt wurde: auf einer blauen Säule stand ein Polaroid-Portrait („Nichts und…“ in der Galerie Nikolaus Sonne, Berlin). In ihrer zweiten Ausstellung 1996 ließen sie in einem Dia-Raum mit drei Projektoren gleichzeitig Bild um Bild von unbekannten Fotografen an die Wände schießen. („Landschaft mit dem Blick der 90er Jahre“ in Koblenz, Burgk, Berlin). Alle anderen Angebote haben sie bislang abgelehnt.

Sie leben und arbeiten in situ. Davon gibt es Dokumente. Man könnte von einer performativen Praxis sprechen, würden Eva & Adele nicht darauf bestehen, daß sie Eva & Adele nonstop darstellen. Das Werk ist ihr Leben.

Durch die Kleidung entziehen sie sich der Zeit, nicht aber der Kultur der Kostüme und der Geschlechtertrennung….

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